ZF kürt 2011 zum „Jahr des Lieferanten“

Das Jahr 2011 soll beim ZF-Konzern ganz im Zeichen seiner Zulieferer stehen. Eine der Initiativen innerhalb des Aktionsjahres ist die geplante Gründung der „ZF Supplier Academy“, in der strategische Lieferanten in speziell ausgerichteten Schulungen aus- und weitergebildet werden. – ZF hat für die Belegschaft eine weitreichende Beschäftigungs- sicherung vereinbart: Für die Dauer der nächsten fünf Jahre erhalten die Mitarbeiter in Deutschland Jobgarantien.

ZF ist als Zulieferer für die internationale Automobilindustrie auf kompetente und verlässliche Lieferanten angewiesen. Diese hohen Anforderungen lässt sich der Spezialist für Antriebs- und Fahrwerktechnik einiges kosten: Mit über fünf Milliarden Euro schlug der Materialaufwand im vergangenen Jahr zu Buche. Das ist weit mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. Die Summe verteilt sich auf viele Unternehmen, die auf der ZF-Lieferantenliste stehen – vom kleinen Familienbetrieb über mittelständisch geprägte Anbieter bis hin zum globalen Großkonzern mit mehreren tausend Mitarbeitern. Davon versorgen derzeit mehr als 3.500 Lieferanten ZF mit Produktionsmaterial wie Stahl, Aluminium oder Kunststoffen. Fast 10.000 Lieferanten sind zuständig für die so genannten Betriebsbedarfe, wie zum Beispiel Maschinen, Werkzeuge oder auch die Dienstleistungen von Fuhrunternehmern.

Die Bedeutung der Materialwirtschaft ist immens. Aus diesem Grund hat der Konzern 2011 zum „Jahr des Lieferanten“ ausgerufen. „Eines der wesentlichen Ziele ist es, unseren Mitarbeitern zu verdeutlichen, wie wichtig das Thema für uns alle ist“, sagt Dr. Stefan Sommer, der seit Oktober dieses Jahres ZF-Vorstand für Materialwirtschaft ist. So sei der Einfluss dieses gewichtigen Postens auf das Unternehmensergebnis beträchtlich: Gemessen am Verhältnis Einkaufsvolumen zu Umsatz liege der externe Wertschöpfungs- anteil bei über 60 Prozent. Erforderlich sei es auch, die Lieferanten zu sensibilisieren, wie sich deren Zulieferungen auf die Qualität und die Wettbewerbsfähigkeit von ZF-Produkten auswirken, so Sommer. Deshalb sei es wichtig, die ZF-Zulieferer schon bei der Entstehung des Produktes in die Prozesse einzubinden und entlang der gesamten Lieferkette gemeinsame Teams mit Lieferanten-Vertretern zu bilden, die für einen optimalen Ablauf der Zulieferungen sorgen. Dabei arbeiten die Bereiche Qualität, Entwicklung, Logistik und Einkauf eng zusammen.

Workshops und interne Messen gehören ebenso zum „Jahr des Lieferanten“ wie die Verleihung des „ZF Global Supplier Awards“ – eine Auszeichnung für den besten ZF-Lieferanten weltweit. Den Auftakt des Aktionsjahres bildete ein international besetzter Lieferantentag, der jetzt in Friedrichshafen stattfand. Eingeladen wurden rund 300 Vertreter der wichtigsten strategischen ZF-Lieferanten zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch und um sich neue Ziele in der Zusammenarbeit zu stecken.

Wie ZF am 17. Dezember mitteilt, haben Unternehmen und Betriebsrat eine Beschäftigungssicherung für Mitarbeiter an deutschen Standorten vereinbart. Bis Jahresende 2013 besteht danach ein Anspruch auf Weiterbeschäftigung am gleichen Standort, bis 2015 innerhalb Deutschlands. Bei Änderungen des Personalbedarfs haben die Mitarbeiter bis Ende 2013 ein Anrecht auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz am bisherigen Beschäftigungsstandort. In den zwei Folgejahren ist ein mehrstufiges Verfahren vereinbart: Führt die Suche nach einem gleichwertigen Arbeitsplatz am Standort zu keinem Ergebnis, wird zunächst in der jeweiligen Region, danach an ZF-Standorten in Deutschland gesucht.

Die Beschäftigungssicherung wurde von Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung im Rahmen der unlängst beschlossenen Neuorganisation des ZF-Konzerns beschlossen. Sie gilt für Mitarbeiter, die zum Jahresende 2010 bei ZF fest angestellt sind. „Wir haben versprochen, dass mit Einführung der neuen kundenfreundlicheren Struktur des ZF-Konzerns keine Arbeitsplätze verloren gehen“, sagt der ZF-Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Härter. „Mit der getroffenen Vereinbarung haben wir dieses Versprechen eingelöst.“

„Für den Konzernbetriebsrat war es entscheidend, dass durch die Neustrukturierung keine Gefährdung von Arbeitsplätzen und auch keine Redzierung der Mitbestimmungsqualität entstehen“, erklärt der ZF-Konzernbetriebsratsvorsitzende Johann Kirchgässner. „Beide Ziele konnten wir mit dem Vorstand in einem umfassenden Regelwerk vereinbaren und sicherstellen. Ein solches Vorgehen zeugt von einer hohen Unternehmenskultur.“

Konzernumsatz 2010 klettert um 38 Prozent auf neuen Höchststand von 12,9 Milliarden Euro

ZF hat die Wirtschaftskrise hinter sich gelassen und erzielt im Jahr 2010 voraussichtlich einen Konzernumsatz von rund 12,9 Milliarden Euro – ein Plus um 38 Prozent gegenüber 2009 und mehr als jemals zuvor. Damit einher geht nach Verlusten im Vorjahr eine deutliche Rückkehr in die Gewinnzone. Die Zahl der weltweit im ZF-Konzern beschäftigten Mitarbeiter erreicht gut 64.000, seit Jahresbeginn 2010 ein Plus von knapp fünf Prozent.

„Wir haben unerwartet schnell in die Erfolgsspur zurück gefunden und erreichen 2010 einen Gesamtumsatz, der den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2007 noch übertrifft“, bilanziert der ZF-Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Härter das auslaufende Jahr. Damals standen 12,6 Milliarden Euro Umsatz in den Büchern, im Folgejahr 2008 waren es 12,5 Milliarden Euro, vergangenes Jahr folgte ein Rückgang auf 9,4 Milliarden Euro. „Zu Jahresbeginn hätten wir eine solche rasante Entwicklung und einen V-förmigen Verlauf der Wirtschaftskrise definitiv ausgeschlossen“, sagt Härter.

Im Vergleich mit dem Jahr 2009 erzielte ZF 2010 in allen Regionen ein hohes Umsatzwachstum, besonders ausgeprägt in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). In Europa ist der Produktionsanstieg im Pkw-Segment vor allem exportgetrieben, das Nutzfahrzeug-Segment hat im Jahreslauf deutlich Fahrt aufgenommen und wird von stabilen Auftragseingängen weiter beflügelt. In Russland verzeichnete das Gemeinschafts-unternehmen ZF Kama (Fertigung Lkw-Getriebe) einen kräftigen Umsatzanstieg. In China führte das Marktwachstum bei Premium-Pkw unter anderem zu einer steigenden Nachfrage nach Automatgetrieben und Elektrolenkungen; dort konnte ZF auch neue Kunden etwa im Baumaschinen-Segment gewinnen.

In Indien ist ein mit Partner Hero Motors gegründetes Gemeinschaftsunternehmen zur Produktion von Fahrwerktechnologie gut angelaufen; hier hat ZF im Jahr 2010 auch Werke für Getriebe und Achsen für Baumaschinen sowie Lkw-Getriebe eröffnet. In Brasilien erreichte ZF hohe Wachstumsraten vor allem im Landmaschinen- und Lkw-Segment. In den USA entstand Ende 2009 ein ZF-Produktionswerk für Achsen und Achsgetriebe. Hier konnte zudem ein großer Liefer- und Lizenzvertrag über 8-Gang-Automatgetriebe abgeschlossen werden, der den Umsatz in Nordamerika in den Folgejahren weiter steigen lässt.

„Möglich war das schnelle Umschalten von Krise auf rasantes Wachstum nur, weil wir eine ausreichend große Stammbelegschaft an Bord hatten, die motiviert die neuen Herausforderungen angenommen hat“, sagt Hans-Georg Härter. „In diesem Zusammenhang gebührt der Politik großes Lob: Sie hat mit geänderten Kurzarbeitsregelungen jene Flexibilität ermöglicht, die uns ohne großen Personalabbau durch die Krise gebracht hat.“

Schon seit Mitte des Jahres 2010 stehen die Zeichen auch bei den Mitarbeiterzahlen wieder auf Wachstum: Im Lauf des Jahres hat der ZF-Konzern weltweit etwa 4.000 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, davon rund 900 in Deutschland. Damit kletterte die Gesamtzahl der ZF-Mitarbeiter auf über 64.000. Der Trend hält an: Im kommenden Jahr will ZF weitere 3.000 Stellen schaffen, von denen wiederum rund 1.000 in Deutschland entstehen sollen.

Auch bei den Investitionen geht der ZF-Konzern mit großen Schritten voran. Knapp eine Milliarde Euro umfasst das Investitionsprogramm für das Jahr 2011. „Wir investieren massiv in unsere Technologieführerschaft und globale Präsenz“, sagt ZF-Chef Härter. Ein Schwerpunkt liegt dabei in den USA, wo ZF sowohl Werke für Windkraft- und Pkw-Getriebe aufbaut als auch die Elektrolenkungs-Produktion ausbaut. In Deutschland baut ZF sein Getriebewerk in Saarbrücken aus und errichtet ein neues Verwaltungsgebäude in Passau. Seiner Rolle als Innovationsmotor bleibt ZF ebenfalls treu; die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung werden 2011 bei rund 750 Millionen Euro liegen.