Wozu braucht die Industrie die FMB in Augsburg?

christian-enssle_portfolio-manager_clarion-events-deutschland-gmbhDas Angebot an Industriemessen ist groß, insbesondere in der Südhälfte: von AMB bis SPS, von Stuttgart bis Nürnberg. Nun kommt die FMB nach Augsburg. Wozu braucht die Industrie oder die Region diese Messe? All about Sourcing sprach mit Christian Enßle, Portfolio Manager, Clarion Deutschland Events GmbH.

Christian Enßle: Mit der FMB in Bad Salzuflen haben wir ein einzigartiges Konzept verwirk-licht, weil sie branchenübergreifend die ganze Wertschöpfungskette des Maschinenbaus abbildet und den Fokus auf das persönliche Gespräch legt. Die Stände sind überschaubar, der Aufwand für die Aussteller auch, und die Besucher können branchenübergreifend neue Zulieferer kennenlernen und sich einen Überblick über aktuelle Neuheiten in den einzelnen Branchen verschaffen.

Dieses Messekonzept, ursprünglich für die Maschinenbau-Region Ostwestfalen-Lippe entwickelt, ist so erfolgreich, dass es Besucher aus der ganzen Nordhälfte Deutschlands anzieht. Da ist es nur logisch, das Konzept für die Südhälfte quasi zu spiegeln – eine Idee, die im Gespräch mit Ausstellern der FMB entstanden ist.

All about Sourcing: Im Süden gibt es viele Messeplätze. Warum haben Sie sich für Augsburg entschieden?

Christian Enßle: Natürlich haben wir alle Messestandorte im Süden evaluiert. Dass wir uns letztlich für Augsburg entschieden haben, hat mehrere Gründe. Die Messe findet in der Mitte der Technologieachse Süd statt, die sich von Karlsruhe bis München er-streckt und den starken baden-württembergischen Maschinenbau einbezieht. Zudem ist die Region selbst ein starker und dynamischer Produktionsstandort mit einem überproportional hohen Anteil an produzierender Industrie. Im direkten Einzugsgebiet erwirtschaften mehr als 650 Industrie-unternehmen mit über 130.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 28 Mrd. Euro. Auch die Infrastruktur der Messe passt, und wir haben starke regionale Partner dort.

All about Sourcing: Welche Partner sind das?

Christian Enßle: Der bedeutendste ist sicherlich das regionale, sehr dynamische Cluster Mechatronik & Automation, das seinen mehr als 180 Mitgliedern die Teilnahme an der Messe empfiehlt und die FMB als Plattform nutzen wird. Der internen Öffentlichkeitsarbeit des Clusters ist es zu verdanken, dass wir viele Anfragen aus dem Bereich der Mechatronik haben.

All about Sourcing: Sie sagten, die Messe werde „gespiegelt“. Was wird anders sein?

Christian Enßle: In der Besucherwerbung sprechen wir neben dem Maschinenbau verstärkt auch die Industrie an, d.h. die Anwender der Maschinen. Dieser Bereich ist in Augsburg stärker vertreten als in OWL, wo die Maschinenbauer im Vergleich mit der allgemeinen Industrie stärkeres Gewicht haben. Außerdem gibt es im Großraum Augsburg viele Hersteller von Robotik und der dazugehörigen Peripherie. Dieser Schwerpunkt wird deshalb sicherlich stärker abgebildet als in Bad Salzuflen.

All about Sourcing: Schauen Sie in die Zukunft auf den ersten Messetag: Wie viele Aussteller werden auf der Messepremiere ihre Produkte und Lösungen zeigen?

Christian Enßle: Aktuell haben wir siebzig feste Buchungen in einem guten „Mix“ aus altbekannten FMB-Ausstellern und neuen Unternehmen, die meist aus der Region kommen. Wir rechnen mit rund hundert Ausstellern auf einer Ausstellungsfläche von etwa 4000 m2.

All about Sourcing: Die Marketing-Budgets im Maschinenbau werden eher knapper als größer, und die Unternehmen sind immer internationaler sowie zunehmend auf Branchen-messen unterwegs. Was macht Sie zuversichtlich, dass eine neue Messe in Süddeutschland auf ausreichendes Interesse stößt?

Christian Enßle: Zunächst einmal ging der Wunsch ja von unseren Kunden aus – der Bedarf ist also vorhanden. Und gerade weil Budgets knapp sind, ist die FMB sehr attraktiv, weil man hier schon mit kleinem finanziellem, organisatorischem und zeitlichem Aufwand ausstellen kann. Wir sehen die FMB, die seit zwölf Jahren stetig wächst, deshalb als eine gute Ergänzung zu den branchenspezifischen Fachleitmessen – und die Aussteller und Besucher offenbar auch.

Bild: Christian Enßle, Portfolio Manager, Clarion Deutschland Events GmbH, Foto: Clarion Deutschland Events GmbH