Wiederaufnahme der Produktion erzeugt Preisdruck

Preissprünge am Kupfermarkt ergeben sich oft eher aus unmittelbaren Ereignissen als aus länger angelegten Fundamentaldaten. So hat vor allem das Ende der Tarifauseinander-setzungen bei der Escondida-Mine im April einen Nachhall gefunden. Die Wiederaufnahme der Produktion erzeugte Preisdruck. Auch bot die Situation in der peruanischen Minen-industrie keinen Anlass, Produktionsengpässe heraufzubeschwören. Der Kupferpreis gab deshalb zeitweise von über 5.800 US$/t auf unter 5.700 US$/t nach.

Preisentwicklung Kupfer

Der LME-Kupferpreis hat sich im April nach einem Start bei 5.817 US$/t bis auf ein Tief von 5.600 US$/t abgeschwächt um danach wieder bis auf etwa 5.700 US$/t anzusteigen. Das Contango (Kassa-Kurs ˂ Drei-Monats-Kurs) lag zumeist um 30 US$/t. Cochilco hat Mitte April seine Durchschnitts-Prognose für den Kupferpreis 2017 von US$ 2,40/lb (US$ 5.291/t) auf US$ 2,60/lb (US$ 5.732/t) angehoben, also eine Korrektur um 8,3 % nach oben vorge-nommen. Für 2018 rechnet die Organisation mit einem Durchschnittspreis von ebenfalls US$ 2,60/lb.

Kupferrohstoffe
In den Gesprächen zwischen Freeport McMoRan und der indonesischen Regierung über die Wiederaufnahme der seit Mitte Januar unterbrochenen Exporte von Kupferkonzentraten ist es zu einer Vereinbarung gekommen. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete, dass die Genehmigung zum Export von 1,11 Mio. t Kupferkonzentrat erteilt worden sei, gültig bis zum 16. Februar 2018, und bezog sich dabei auf ein Statement des indonesischen Handels-ministeriums. Über Fortschritte in den grundlegenden Verhandlungen über Freeports Engagement in Indonesien wurde hingegen nichts bekannt. Zuvor hatte Metal Bulletin berichtet, dass Freeport dabei sei konkrete Schritte für Verschiffungen einzuleiten. Die Rede ist von ersten Lieferungen, die im Mai asiatische Abnehmer erreichen würden. Wieviel Konzentrat hafennah gelagert ist und kurzfristig auf den Markt kommen könnte, ist nicht bekannt. Im Jahr 2016 soll die Grasberg-Mine mehr als 500.000 t Kupfer gefördert haben.

Aus Peru war wegen der Unwetter von beschädigten Transportwegen zu hören. Auch soll es z.B. bei Toromocho zur Force-Majeure-Erklärung einzelner Verschiffungen gekommen sein, die Produktion war jedoch anscheinend nicht betroffen. Produzierte Konzentratmengen sollen auf Halde gelegt worden sein. Der Produktionsausfall durch den Streik bei Cerro-Verde wird zwar von jeder Tarifpartei unterschiedlich gesehen, da es aber zum Einsatz von Fremd-arbeitern gekommen ist, dürfte der Mengenausfall überschaubar geblieben sein. Die gleiche Situation hat sich bei der Cuajone- und Toquepala-Mine ergeben, die beide zu Southern Copper gehören. Der dortige Streik begann am 10. April und konnte am 22./23. April mit einer Einigung beendet werden.

Nachdem es am europäischen Altkupfermarkt während der Monate Februar und März fast zu einem Stillstand der Spot-Aktivitäten gekommen war, hat sich im April etwas bewegt. Wie es heißt, konnte vereinzelt wieder Kaufinteresse von Verarbeitern beobachtet werden, wobei es sich aber nur um kleinere Mengen gehandelt haben soll. Das Materialangebot ist aber weiterhin gut gewesen.

Produktion
China produzierte im März nach Angaben der Nationalen Statistikbehörde 764.000 t Kupfer und erreichte mit 2,13 Mio. t im ersten Quartal 2017 einen Anstieg um 7,3 % gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres. Dabei hatte es Wartungsstillstände größerer Hütten gegeben, wie bei Tongling, Yunnan und Shangdong Fangyuan. Wesentlich für die hohe Produktion dürften ein höherer Kupferpreis und eine gute Rohstoffverfügbarkeit gewesen sein. So haben die Konzentratimporte im März 2017 bei 1,63 Mio. t gelegen, gegenüber 1,37 Mio. t im März 2016.

Unter den geplanten Wartungsstillständen dieses Jahres fällt der von Japans Pan Pacific Copper besonders auf. Betroffen ist der Saganoseki-Smelter mit der dazugehörigen Elektrolyse. Die vorgesehene Stillstandszeit ist mit 70 bis 80 Tagen unüblich lang. Sie soll Ende September beginnen und dient dem Upgrading der Anlagen. Der Mengenausfall wird voraussichtlich rund 60.000 t Kupfer umfassen.

Bestände
War es im März noch zu erheblicher Unruhe durch plötzlich steigende Börsenbestände an Kupfer gekommen, hat die Entwicklung im April die Gemüter wieder beruhigt. Sowohl an der LME wie auch an der SHFE kam es zu deutlichen Bestandsabnahmen. In den Lagerhäusern der SHFE fiel der Rückgang im April mit rund 67.000 t auf 240.191 t (21.04.) am deutlichsten aus. Bei der LME betrug die Reduktion rund 15.000 t auf 264.850 t (24.04.2017). Die hier zur Auslieferung angemeldeten Kupferbestände (cancelled warrants) lagen bei 121.675 t. Auslagerungen erfolgten insbesondere breit gestreut an den asiatischen Standorten und am Standort New Orleans. Mit den bei der SHFE und der LME bevorrateten Kupfermengen lassen sich theoretisch nur rund acht Tage des Weltbedarfs an raffiniertem Kupfer versorgen.

Grafik: Kupferpreis reagiert auf die entspannte Lage bei Minen und gibt nach, Quelle; Aurubis

von Aurubis