Weihnachtsgeschäft: So wichtig sind widerstandsfähige Lieferketten

Das zähe Weihnachtsgeschäft zeigt, wie wichtig widerstandsfähige Lieferketten sind. Denn die Weihnachtszeit ist die wichtigste Verkaufssaison des Jahres: Händler machen in dieser Zeit normalerweise den größten Umsatz. Je nach Branche kann das bis zu ein Viertel des Jahresumsatzes ausmachen. Doch dieses Jahr sieht das aufgrund der Lieferkettenkrise anders aus. Die Händler erwartet eine schwierige Zeit, einige rechnen im Vergleich zu 2020 sogar mit sinkenden Umsatzzahlen.

Das zeigt eine Umfrage des Business-Spend-Management-Spezialisten Coupa Software gemeinsam mit Sapio Research, für die mehr als 600 Supply-Chain-Manager im Einzelhandel in Deutschland, den USA, Großbritannien und Frankreich befragt wurden. Insgesamt rechnen in diesen Ländern mehr als die Hälfte (58%) der Einzelhändler mit Einbußen von mehr als fünf Prozent. Fast alle der befragten deutschen Einzelhändler gehen davon aus, dass der Umsatz mindestens für weitere sechs Monate durch Lieferkettenprobleme beeinträchtigt wird. Zusammengenommen bedeutet dies für einige der größten Volkswirtschaften der Welt einen Verlust in Milliardenhöhe.

Der Grund: Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns sorgten dafür, dass der Konsum stark zurückging. So wurde die Herstellung von vielen Produkten zunächst heruntergefahren, um Kosten einzudämmen – teilweise wurden ganze Produktionslinien gestrichen. Doch als die Maßnahmen gelockert wurden, stieg die Nachfrage schlagartig an – vor allem in den Bereichen Automobil und Unterhaltungselektronik. Aufgrund von Material- und Arbeitskräftemangel kommen Hersteller mit der Produktion jetzt allerdings nicht mehr hinterher. Die Krise am Suezkanal, die die Preise für Frachtcontainer in die Höhe getrieben hat, kommt erschwerend hinzu. Die Folge: Hohe Beschaffungspreise und nicht lieferbare Ware. 

Schwache Lieferketten bereiten Händlern Sorgen

Diese Schwächen zeigen sich vor allem, weil Lieferketten so aufgebaut sind, dass die richtigen Materialien und Waren möglichst schnell und günstig verfügbar gemacht werden können. Doch spätestens die Lieferkrise, die in Folge der Pandemie ausgelöst wurde, hat gezeigt, wie instabil Lieferketten aufgebaut sind – zu instabil, um diesem noch nie dagewesenen Stress standhalten zu können. Die Beschaffung von Material erfolgt bisher über komplizierte und unübersichtliche Wege. Solche langen Lieferketten bereiten deutschen Einzelhändlern daher besonders große Sorgen: 42 Prozent der von Coupa-Befragten befürchten, dass dies Auswirkungen auf ihr Geschäft haben wird. Hinzu kommen Sorgen um Engpässe und Verspätungen von Containern (37%), Personalmangel (36%) und Nachfrageschwankungen (31%). 

Darüber hinaus bangen 46 Prozent der deutschen Einzelhändler um das Überleben ihrer Lieferanten. Daher müssen Einzelhändler die Unterstützung von Partnern und deren breiteren Netzwerken priorisieren, um sich zu erholen und widerstandsfähigere Lieferketten aufzubauen. Sie können ihnen helfen, potenzielle Alternativen für nachrangigere Single-Source-Lieferanten zu finden und Sourcing Events organisieren, um alternative Lieferanten zu ermitteln. 

In Europa sind die Auswirkungen des Brexits ebenfalls ein wichtiger Faktor – in Großbritannien gar das wichtigste Thema. So gab dort fast die Hälfte (46%) aller Einzelhändler an, dass dieser sich negativ auf ihr Geschäft ausgewirkt hat. In Deutschland hatte der Brexit größere Auswirkungen als in Frankreich, wo 14 Prozent bzw. neun Prozent der Einzelhändler sagten, dass der EU-Austritt Großbritanniens negative Auswirkungen auf ihr Geschäft hatte.

Neue Strategien für ein erfolgreicheres 2022

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Einzelhändler zwar die Nachfrage befriedigen und dementsprechend ihren Umsatz und die Effizienz steigern wollen. Sie sind aber weiterhin mit Problemen in der Lieferkette konfrontiert, die es so noch nie gab. Die Bewältigung dieser Probleme war die größte geschäftliche Herausforderung des Jahres 2021 und wird es wahrscheinlich auch in 2022 bleiben. Das bedeutet, dass die Optimierung der Lieferketten nicht länger ein „Nice-to-have“ ist – sondern eine Notwendigkeit. Das gilt nicht nur für Einzelhändler, sondern auch für alle anderen Akteure innerhalb der Lieferkette. Um ein widerstandsfähigeres Netzwerk aufzubauen, sollten sie sich darauf konzentrieren, volle Transparenz über die einzelnen Teilglieder zu schaffen. Ein Schlüsselelement ist die Einführung einer umfassenden Business Spend Management (BSM)-Strategie, die die Silos zwischen Lieferkette, Beschaffung und Finanzen aufbricht. Dies ermöglicht einen dynamischeren und kontinuierlichen Entwurfs- und Planungsprozess für die Lieferkette, der es Supply-Chain-Experten im Einzelhandel und anderen Geschäftsbereichen erlaubt, einen Echtzeit-Einblick in die Lieferkette zu erhalten und damit blinde Flecken zu beseitigen. So lassen sich intelligentere und schnellere Entscheidungen treffen, um für alle auftretenden Herausforderungen gewappnet zu sein.

Unternehmen können sich mit Hilfe einer umfassenden Transparenz ihrer Lieferketten auf unvorhergesehene Ereignisse vorbereiten und gegebenenfalls alternative Lieferanten finden. Gleichzeitig können sie ihre Rentabilitäts-, Risiko- und Nachhaltigkeitsziele erreichen. Die Technologie ist vorhanden, um dies zu ermöglichen, und sie muss vorrangig eingesetzt werden, um sicherzustellen, dass das nächste Jahr – genauso wie ein weiteres entscheidendes Weihnachtsfest 2022 – für Einzelhändler sehr viel fröhlicher werden kann.

von Christine McKechnie, Director Value Solution Consulting bei Coupa Software

www.coupa.com/de

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