Unternehmen zahlen etwas mehr für Strom und Gas

Die Strom- und Gaspreise halten ihr Niveau grundsätzlich, teilweise war im letzten Monat jedoch ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Gewerbekunden konnten im Februar sogar von noch günstigeren Konditionen als im Dezember profitieren. Das ergab sich aus der Analyse der ISPEX-Energieexperten für den Strom- und Gaspreisindex für Industrie und Gewerbe für den Monat Februar. Grund für diese Entwicklungen sind die unterschiedlichen Preise mit denen an der Börse gehandelt wird, denn besonders bei den Strom-Produkten sind eklatante Unterschiede bei den gehandelten Lieferperioden zu erkennen. Die Preise im kurzfristigen Handel sind deutlich höher als die der Lieferzeiträume ab dem Jahr 2019.

Strompreise stiegen im Februar leicht
Gewerbekunden mussten im Februar etwas tiefer in die Tasche greifen als im Januar. Als durchschnittlichen Preis für die Kilowattstunde ermittelte ISPEX 3,38 Cent je Kilowattstunde. Das sind 0,17 Cent je Kilowattstunde mehr als im Vormonat. Im Januar lag der Preis noch bei 3,21 Cent je Kilowattstunde.

Damit folgt die Entwicklung der Strompreise wieder einmal denen an den Großhandels-plätzen. Auch hier war ein leichter aber konstanter Anstieg im Februar bemerkbar. Wie im Januar war auch im Februar eine erhebliche Preisdivergenz zwischen den Lieferverträgen für 2018 und später beginnenden Lieferperioden festzustellen. Zum Teil waren die Preise um rund drei Euro je Megawattstunde höher, was einem Preisunterschied von ca. 0,3 Cent je Kilowattstunde entspricht. Daraus ist ersichtlich, dass der Lieferzeitraum einen eminenten Einfluss ausübt.

Zurzeit halten sich die Unternehmen beim Energieeinkauf zurück. Wie die Lieferanten bestätigten, war die Nachfrage der Kunden im Februar sehr gering. Um das zu kompensieren, haben die Lieferanten vermehrt an Ausschreibungen teilgenommen.

„Wer also das derzeitige Preisniveau ausnutzen will, um etwa weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen, sollte die günstige Angebotssituation bei Ausschreibungen wahrnehmen“, rät der Energieexperte Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der ISPEX AG.

Strompreise steigen kontinuierlich an
Der leichte aber konstante Anstieg der Strompreise im Januar wird im Februar fortgesetzt. Ebenso bleibt die Preisdivergenz zwischen kurzfristigem Handel und Lieferperioden ab 2019 bestehen. Die Ausschläge der Stromnotierungen sind nur leicht und lassen keine unerwartet deutlichen Preisbewegungen vermuten. Ende Februar war bereits wieder eine geringe Preisdämpfung zu erkennen.

Die ISPEX-Energieexperten machen mehrere Gründe für den Strompreisanstieg verant-wortlich. Zum einen wurden die Stromnotierungen durch Rohöl- und Kohlepreise auf dem Weltmarkt gestützt. Zum anderen sprechen die Rekordmarken an den Großhandelsplätzen für eine Aufhellung des Weltklimas. Wie dem ifo-Geschäftsklimaindex zu entnehmen ist, sind auch die Konjunkturerwartungen in Deutschland durchaus positiv.

Auch die Begrenzung der Fördermengen an Rohöl hält die Preise weiterhin auf konstantem Niveau und konnte bei der Sorte WTI sogar mit einem Zuwachs punkten. Aber auch das Fracking hat eine stabilisierende Wirkung, wie die gestiegenen Ölförderungen in den USA belegen. Übersteigt der Ölpreis international 55 US-Dollar pro Barrel, ist Fracking profitabel und führt zum Anstieg der inländischen Förderung.

Der internationale Kohlepreis stieg in der zweiten und dritten Februarwoche merklich an. Das hatte auch Auswirkung auf die europäischen Preise. Der Preisanstieg ist auf die erhöhte chinesische Nachfrage zurückzuführen. Ende Februar sanken die Preise jedoch wieder, weshalb mit einer Stützung der Strompreise im März nicht zu rechnen ist.

Gaspreise bleiben auf fast konstantem Niveau
Im Februar stiegen die Gaspreise für Gewerbekunden leicht an. Zahlten sie im Januar noch einen durchschnittlichen Preis von 1,75 Cent je Kilowattstunde, erhöhte sich das durchschnittliche Angebot im Februar auf 1,84 Cent je Kilowattstunde.

Die Unternehmen empfinden die derzeitigen Gaspreise, gemessen an der Preisentwicklung des vorherigen Jahres, als relativ teuer. Daher halten sich die Gaseinkäufer, ähnlich wie die Stromeinkäufer, derzeit mit Liefervertragsabschlüssen zurück und hoffen auf Preissenkungen, obwohl die Gaspreise in der mehrjährigen Betrachtung immer noch günstig sind.

Gaspreise an der Börse purzeln Ende Februar
Insgesamt betrachtet gehen die Gaspreise seit Ende Dezember 2016 etwas zurück. Im Januar blieben die Preise nahezu auf konstantem Niveau, im Laufe des Februars fielen sie erst leicht, um dann Ende des Monats spürbar nachzugeben.

Aufgrund der Kältewelle kam es im Januar noch zu kurzfristiger starker Nachfrage. Da die Temperaturen im Februar bereits wieder stiegen, erledigte sich dieses Phänomen und die Preise gaben wieder nach. Hätten die Rohöl- und Kohlepreise nicht ihr stabiles, leicht steigendes Niveau beibehalten, wäre der Abwärtstrend vielleicht noch deutlicher gewesen. Betrachtet man die Faktoren wie Konjunkturerwartungen, Rohöl- und Kohlepreise sowie die Entwicklung des Wetters in der Gesamtschau, ist wohl mit dem Halten des Preisniveaus oder einer eventuellen Preissenkung für März zu rechnen.

„Um die bereits etwas gesunkenen Preise zu nutzen, sollten sich Unternehmen kurzfristig zumindest eine Mengentranche im Rahmen flexibler Beschaffungsmodelle sichern. Damit kann vermieden werden, zum falschen Zeitpunkt die gesamte Menge beschaffen zu müssen“, erklärt Stefan Arnold. „Mit modernen Online-Tools stellt sich die Bewirtschaftung derartiger flexibler Verträge bereits für relativ geringe Gasmengen als lohnend dar“, ergänzt Arnold.