Traditionelles Sourcing stürzt um 40 Prozent ab

Der EMEA ISG Index stellt vierteljährlich die jeweils aktuellen Daten und Trends des Outsourcing-Markts zur Verfügung. Dabei berücksichtigt er alle kommerziellen Outsourcing-Verträge mit einem Jahresvolumen (Annual Contract Value, ACV) von mindestens vier Millionen Euro. Hier sind die fünf wichtigsten Fakten und Trends des ersten Quartals 2018, vor allem für die Märkte in DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) und EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika):

1. Markt für traditionelles Sourcing gibt um 40 Prozent nach
Das Schrumpfen des Sourcing-Markts im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres in EMEA fällt in eine Zeit, in der europäische Unternehmen zusätzliche Ausgaben haben, da sie sich auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU vorbereiten, die am 25. Mai 2018 in Kraft tritt. Auch sind die Vertragsvolumina kleiner geworden, denn die Zahl der Vertragsabschlüsse ging im gleichen Zeitraum nur um 3 Prozent zurück.

2. Besonders schlechte Marktentwicklung in DACH
Der Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) wies nun bereits zum dritten Mal in Folge eine schlechte Performance aus. Die 438 Millionen Euro Marktvolumen im ersten Quartal 2018 sind das schlechteste Quartalsergebnis seit Anfang 2014. Die letzten drei Quartale waren in DACH von einem deutlichen Minus beim traditionellen Sourcing geprägt, zumal Unternehmen auch in diesem Markt ihren Fokus auf die DSGVO und die Implementierung neuer Technologien richteten.

3. Rekordzahlen im As-a-Service-Sektor
Während das traditionelle Sourcing ins Stolpern geriet, schnellte As-a-Service im Jahres-vergleich um 40 Prozent nach oben. Das Marktvolumen von As-a-Service stieg auf 1,4 Milliarden Euro und war das in EMEA höchste jemals gemessene Ergebnis. As-a-Service macht nun 46 Prozent des gesamten Sourcing-Marktes aus. Der Zuwachs beim As-a-Service-Sourcing geht vor allem auf das Konto steigender Nachfrage nach Infrastructure-as-a-Service (IaaS). Im Laufe der letzten 12 Monate legte das IaaS-Marktvolumen um 48 Prozent zu. Dieser Anstieg fiel damit noch stärker aus als das Plus von 13 Prozent bei Software-as-a-Service (SaaS).

4. Weltweit expandiert der Sourcing-Markt deutlich
Weltweit verzeichnete der Gesamtmarkt ein Rekordergebnis von 9,8 Milliarden Euro im ersten Quartal 2018, vor allem dank eines 40-Prozent-Wachstums im As-a-Service-Sektor, der ein Marktvolumen von 4,7 Milliarden Euro erreichte. Dieser erneute Quartalsrekord liegt deutlich über den 3 bis 3,5 Milliarden Euro, die der As-a-Service-Markt in drei der letzten vier Quartale erreichte. Im Vergleich zum Marktvolumen von vor zwei Jahren entspricht dies fast einer Verdopplung.

5. Frankreich top, Großbritannien flop
Obwohl im Vereinigten Königreich das Vertragsvolumen des traditionellen Sourcings im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorquartal um 3 Prozent wuchs, sank es im Vergleich zum ersten Quartal 2017 um 60 Prozent. Zwar blieb die Zahl der abgeschlossenen Verträge im gleichen Zeitraum stabil, doch fielen die Vertragsumfänge wesentlich kleiner aus. Seit 2010 lag kein ACV des ersten Quartals so niedrig wie in diesem Jahr.

Frankreich hingegen verzeichnete im Vergleich zum schwachen Start im Vorjahr als einzige europäische Region ein robustes Wachstum beim traditionellen Sourcing. Im ersten Quartal stieg das Marktvolumen im Jahresvergleich um 30 Prozent, während die Zahl der Neuverträge um mehr als zwei Drittel zunahm – dies allerdings im Vergleich zu einem schwachen ersten Quartal 2017. Obwohl der französische Markt weiterhin vergleichsweise klein ausfällt, wuchs er in den vergangenen 12 Monaten stetig.

Friedrich Löer, Partner bei ISG Information Services Group Germany, gibt folgenden Ausblick:
„Der europäische Sourcing-Markt bleibt weiterhin von Unsicherheit geprägt, was die Nach-frage nach Outsourcing zusätzlich dämpft. Unternehmen konzentrieren sich auf die Vorbe-reitungen zur weitreichenden DSGVO-Datenschutzverordnung und deren Auswirkungen auf ihre Geschäftsbeziehungen. Dies führte zu einem Wechsel der Prioritäten. Zudem haben die zahlreichen Nachrichten über den Konkurs des britischen Baukonzerns Carillion und finanzielle Schwierigkeiten einiger wichtiger Outsourcing-Anbieter dazu geführt, dass die Marktakteure noch vorsichtiger geworden sind. Während das traditionelle Sourcing in den kommenden Quartalen wohl weiterhin vor schwierigen Zeiten steht, wird sich in Europa der Trend hin zu As-a-Service 2018 noch einmal zusätzlich beschleunigen.“