Strompreise steigen auf Rekordniveau

Auch im Oktober sind die Strompreise für Industrie und Gewerbe weiter angestiegen und erreichten das höchste Niveau seit 2014. Besonders betroffen waren Unternehmen, die längerfristige Verträge abgeschlossen haben. Hierfür muss deutlich tiefer in die Tasche gegriffen werden. Anders ist es bei den Gaspreisen, die auf ihrem Niveau blieben. Bei der Gasbeschaffung verbesserten sich die preislichen Vertragsbedingungen für Unternehmen im Vergleich zum September sogar leicht. Das ergab die monatliche Analyse des Energiedienst-leisters ISPEX der durchschnittlichen, realisierten Einkaufspreise für Strom und Gas.

Längerfristige Stromverträge: Unternehmen müssen mit deutlichem Anstieg rechnen
Die Erwartungen bezüglich der Konjunkturentwicklung sind gut, darüber hinaus haben die Kohlepreise ein hohes Niveau erreicht. Beides sind Gründe für den Aufwärtstrend der Strompreise an den Handelsplätzen im Oktober. Insbesondere die zweite Hälfte des Monats hatte es in sich. Hier musste für die Lieferjahre 2019 und 2020 deutlich mehr gezahlt werden als für Verträge für 2018. So stieg der mittlere Preis für „Baseload“ – verglichen mit dem Preis im September – für das Lieferjahr 2018 um etwa 70 Cent je Megawattstunde an. Um fast das Doppelte erhöht sich mit etwa 1,30 Euro je Megawattstunde der Preis für das Kalenderjahr 2019, was jedoch von Verträgen für 2020 mit etwa 2,30 Euro je Megawattstunde noch getoppt wird. Zum ersten Mal in diesem Jahr liegen damit die Preise für 2020 über denen für das kommende Lieferjahr. Verantwortlich dafür sind wohl die Unwägbarkeiten in den Verhandlungen über eine eventuelle Jamaika-Koalition, die den Kohleausstieg besiegeln könnte.

Höchststand der Strompreise für Unternehmen seit 2014
Im Oktober sahen sich die Unternehmen erneut mit schlechteren Strompreisangeboten konfrontiert. Grund dafür war die Entwicklung an den Handelsplätzen. Verglichen mit September verzeichnete der ISPEX-Strompreisindex eine Erhöhung um etwa 0,10 Cent je Kilowattstunde auf aktuell 3,908 Cent je Kilowattstunde. Diesen Höchststand gab es am Markt das letzte Mal im vierten Quartal des Jahres 2014. Nimmt man das Preisniveau des diesjährigen Monats Mai mit seinem Tiefststand, beträgt die Erhöhung mittlerweile 0,80 Cent je Kilowattstunde.

Die Unternehmen mit längerfristigen Verträgen trifft es besonders hart. Verglichen mit September, als Verträge mit zwei- oder dreijähriger Laufzeit zu besseren Konditionen angeboten wurden als die mit einjähriger Laufzeit, ist es nun umgekehrt: Die Preise für 2020 übertreffen mittlerweile die für 2018. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Unternehmen derzeit für kurzfristige Verträge.

„Wieder einmal macht die momentane Entwicklung der Marktpreise deutlich, wie eklatant wichtig eine fortlaufende Marktbeobachtung für die Energiebeschaffung ist“, betont Andreas Seegers, Vorstand der ISPEX AG. „Nichtsdestotrotz orientieren sich viele Unternehmen bei der Energiebeschaffung am Kalender und schließen ihre Verträge im Herbst ab, anstatt sich nach dem Marktpreisniveau zu richten. Aufgrund des enormen Anstiegs in der letzten Zeit werden viele Unternehmen im nächsten Jahr mit Extrakosten kämpfen müssen“, ergänzt Seegers.

Geht man vom momentanen Vertragspreis oder einer Budgetplanung aus und möchte eklatante Kostenschwankungen für künftige Lieferjahre verhindern, macht es für viele Unternehmen durchaus Sinn, Marktpreislimits zu setzen, anhand derer Einkaufszeitpunkte festgelegt werden können.

„Entscheidend für die weitere Entwicklung der Strompreise wird wahrscheinlich, wie auch in den Vormonaten, der Kohlepreis sein“, glaubt Andreas Seegers. Des Weiteren werden jedoch für die Lieferjahre ab 2020 die Verhandlungen über einen Kohleausstieg von Bedeutung sein.

Im Oktober blieben die Gaspreise meist auf demselben Preisniveau
Der Preis bei Gas hielt im vergangenen Monat weitgehend das Niveau. In den ersten drei Oktoberwochen waren daher selten Preisbewegungen erkennbar. Lediglich in der letzten Woche des Monats stiegen die Preise um etwa 0,50 Euro je Megawattstunde. Die Preise für die kommenden drei Kalenderjahre bleiben wohl auf ähnlichem Niveau – anders als die Preise im Strombereich. Im Gasbereich müssen Unternehmen aber weiterhin für das Lieferjahr 2018 mehr bezahlen als für 2019 und 2020.

Gaspreisindex: Preisdifferenz in diesem Jahr sehr gering
Im Oktober fiel der von ISPEX ermittelte Durchschnittspreis für Gewerbe- und Industriekunden etwas. Der ISPEX-Gaspreisindex sank im Vergleich zum September von 1,792 Cent je Kilowattstunde auf 1,758 Cent je Kilowattstunde. Anders als der Strommarkt ist der Gasmarkt in diesem Jahr sehr verlässlich auf konstantem Niveau geblieben. Der Blick über das Jahr ergibt lediglich eine Preisdifferenz von etwa 0,13 Cent je Kilowattstunde, gemessen am Höchststand im Februar und verglichen mit dem niedrigsten Niveau im Juli.

„Einen wesentlichen Faktor für die Preisentwicklung der kommenden Wochen stellt auch die Entwicklung der Wetterprognosen für den Winter dar. Unternehmen sollten den Markt daher gut beobachten und zum richtigen Zeitpunkt einen längerfristigen Vertrag abschließen“, rät Analyse-Experte Seegers.