Schwankende Rohstoffpreise beherrschbar

Eine Studie analysiert, wie sich die Industrie vor steigenden Kosten, Inflation und drohendem Margenverfall schützen kann. In einer europaweiten Befragung der Strategie- beratung Simon-Kucher & Partners gaben 250 Entscheider aus der Chemie-, Bau- und Commoditybranche Auskunft zum Thema „Schwankende Rohstoffpreise“.

Der Studie zufolge ist der Preistrend der Rohstoffe mit dem aktuellen Auf und Ab primär angebots- und nachfragegetrieben. Das sagen rund 60 Prozent der Befragungsteilnehmer. Dahinter stecken traditionelle Bestimmungsfaktoren wie die Konjunktur, die Reichweite der Reserven, die freien Kapazitäten und die aktuellen Lagerbestände. Aber auch neue Akteure gewinnen an Einfluss: Spekulanten, Investmentfonds, Pensionskassen und Versiche- rungen, die durch Investitionen am Rohstoffmarkt etwa ihr Risiko besser streuen wollen. Allerdings glauben nur weniger als 40 Prozent der befragten Manager, dass Spekulation der Treiber ist. „Dieses Ergebnis unterstreicht, dass Spekulanten ‚nur‘ Trendverstärker sind. Sie geben keine Richtung vor, sondern springen auf einen fahrenden Zug auf, der sich entweder in die eine oder in die andere Richtung bewegt“, sagt Studienleiter Karl-Heinz Sebastian, Senior Partner bei Simon-Kucher.

Massive Geschäftsgefährdung

Vor der Wirtschaftskrise kannten die Preise nur eine Richtung: Steil nach oben. Das hat sich geändert. Keiner scheint zu wissen wohin sich die Rohstoffpreise entwickeln. „Stark schwankende Rohstoffkosten und ein nicht funktionierendes Preismanagement können den Erfolg eines Geschäfts massiv gefährden“, so Andrea Maessen, Partnerin bei Simon-Kucher. Beispielsweise rechnet Bayer wegen der gestiegenen Rohstoffkosten in 2010 mit einer Ergebnisbelastung von rund einer halben Milliarde Euro. Ein anderes Beispiel liefert die Stahlindustrie. Eine Preisdifferenz von beispielsweise 30 Euro je Tonne reicht für einen milliardengroßen deutschen Stahlhersteller aus, ein Ergebnis von plus oder minus 30 Millionen Euro zu erwirtschaften.

Wegfall von Jahreskontrakten

Angesichts der zunehmenden Preis- und Mengenschwankungen sind starre und fixierte Systeme wie Jahreskontrakte nicht mehr sinnvoll. Das bestätigen 70 Prozent der befragten Manager. Ferner ist für 80 Prozent sicher, dass sich die Preise durch den Wegfall von Jahreskontrakten dynamischer entwickeln. Für die Rohstoff-Experten von Simon-Kucher ist klar: In einem dynamischen Markt- und Kostenumfeld ermöglichen kürzere Laufzeiten – Quartals- und Monatspreise –, schneller auf Preise zu reagieren. Kontrakt- und Spotpreise würden dann nicht mehr so weit auseinander klaffen. Die Höhe des Preises bliebe unbeeinflusst. 50 Prozent der Befragten meinen, dass eine Verkürzung der Verhandlungs- zyklen und eine Abkehr von Jahreskontrakten nicht per se zu höheren Preisen führen.

Möglichkeiten der Beherrschung

Nahezu zwei Drittel (62 Prozent) stimmen dem Einsatz von Preisgleitformeln zu, um dynamische Kosten und Preise in den Griff zu bekommen. „Erschreckend hoch ist diese Zahl deshalb, weil mit Preisgleitformeln ein aktives Preismanagement an ein Formelwerk delegiert oder eher abgeschoben wird“, so Maessen. „Preisgleitformeln sind kein Allheil- mittel. Die Aufgabe, Preisänderungen zu initiieren und festzulegen, darf nicht einer Formel überlassen werden. Es ist eine Managementaufgabe.“ In Bezug auf Alternativen sehen 78 Prozent das Lagerbestandsmanagement als die wichtigste Form an, um mit Rohstoff- kostenschwankungen umzugehen. Die aktive Preisführerschaft – und zwar durch den Marktführer – wird von 70 Prozent der Befragten als wichtiges Mittel angesehen. Optio- nalitäten (in Bezug auf Termine, Mengen, Standards, Zuschläge etc.) in der Vertrags- gestaltung werden von knapp 60 Prozent als wesentlich eingestuft.

Neben der Kostendynamik bestimmen noch weitere Faktoren den Preis, wie etwa die Umsatzgröße und Verhandlungsmacht der Kunden, das Bestellverhalten der Kunden und der Kundenwert. „Klar definierte Preisrichtlinien helfen, die Komplexität bei der Preis- setzung zu bewältigen“, sagt Karl-Heinz Sebastian.