Restposten-Marktplatz boomt

Die Inserate in der bundesweiten Recyclingbörse haben sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Immer mehr Betriebe machen ihren Müll und Restbestände zu Geld.

Die IHK-Recyclingbörse zielt primär auf die stoffliche Verwertung von in Unternehmen anfallenden Abfällen ab. Sie soll keine Konkurrenz zum Beispiel zu Märkten für gebrauchte Maschinen darstellen. In der Börse können Unternehmen unter der Adresse www.ihk-recyclingboerse.de kostenfrei ihre alten Wertstoffe oder Restposten anbieten. Im vergangenen Jahr haben die Betriebe 355 Posten inseriert – dreimal so viele wie noch 2009. Angeboten wird fast alles, von Metall über Gummi bis hin zu Pappe oder Leder. Für die Verkäufer lohnt sich das gleich doppelt. Sie müssen die Abfälle nicht mehr teuer entsorgen, sondern verdienen ganz im Gegenteil bares Geld. Die Verknappung der Rohstoffe lässt Nachfrage und Preise steigen – auch bei gebrauchten Stoffen. Der positive Nebeneffekt dabei ist Umweltfreundlichkeit durch Ressourcenschonung. Und für fast jeden Stoff finden sich auch Abnehmer. Rund 61.000 Unternehmen haben sich 2010 für Angebote der Börse interessiert. Besonders gefragt waren Kunststoffe (8.778 Reaktionen), Verpackungen (3.771), Chemikalien (3.669), Metall (3.625) und Holz (2.690).

„Wir gehen davon aus, dass das Recycling-Thema noch weiter an Fahrt gewinnen wird, denn der Bedarf ist riesig, und Rohstoffe werden immer kostbarer“, sagt Armin Rockholz, Umweltexperte beim DIHK. Eine aktuelle DIHK-Unternehmensbefragung zum Thema Rohstoffklemme (pdf, 11 Seiten) zeigt, dass die Wirtschaft hinter dem Recycling steht – es aber auf eine freiwillige Grundlage gestellt sehen will. Eine Verschärfung der gesetzlichen Quoten, wie sie das Bundesumweltministerium im Entwurf des Kreislaufwirtschaftsgesetzes verfolgt, lehnen die Betriebe dagegen ab. Sie befürchten neuen bürokratischen Aufwand und zusätzliche Kosten, wenn die Wertstofferlöse unterhalb der Aufarbeitungskosten liegen.

Die Ergebnisse einer aktuellen Auswertung, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) für die bundesweite Recyclingbörse der IHK-Organisation vorgenommen hat, steht online bereit: IHK-Recyclingbörse Auswertung (pdf, 3 Seiten)