Optimierung des Working Capital

Mit der jetzt erschienenen Studie “Flüssige Mittel und gebundenes Kapital” legt das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte eine Analyse der Entwicklung des Working Capital deutscher Unternehmen der vergangenen drei Jahre vor. Carsten Lehberg, Partner Corporate Finance bei Deloitte und Verantwortlicher der Studie, stellt fest, dass das Verhältnis zwischen Working Capital und Umsatz in den zurückliegenden drei Jahren in deutschen Unternehmen unverändert geblieben sei. Die absolute Kapitalbindung im Working Capital – das heißt, der Überschuss der kurzfristig liquidierbaren Aktiva eines Unternehmens über die kurzfristigen Passiva – habe sich jedoch in Folge des Umsatzan-stiegs erhöht. “Das macht deutlich, dass Unternehmen ihre Potenziale noch nicht ausge-schöpft haben – besonders hinsichtlich der Steuerungswirkung des Working Capital Managements, das von der Planung über die qualitative Betrachtung bis hin zur Risiko-steuerung reicht. Es fällt auf, dass Branchen mit starker Working-Capital-Bindung die Optimierung mit einer höheren Priorität – und auch erfolgreicher – verfolgen”, kommentiert Carsten Lehberg.

Konkrete Ansätze für eine Optimierung der Liquidität bieten Instrumente, die den Konflikt von Zahlungszielen zwischen den beteiligten Parteien auflösen, indem sie unterschiedliche Zahlungsinteressen harmonisieren und somit für alle beteiligten Partner einen zeitnahen Mehrwert bieten. Beispielsweise können ohne großen Aufwand karten- oder webbasierte Lösungen in bestehende Prozesse des Unternehmens implementiert werden und dort für transparente und verlässliche Zahlungsströme sorgen. Das dient nicht nur der Liquiditäts-planung, sondern wirkt sich positiv auf die Qualität von Lieferanten- und Kundenbe-ziehungen aus. Die Buyer Initiated Payments (BIP)-Lösung von American Express etwa kann einen entscheidenden Optimierungsschritt darstellen: BIP bietet klare Vorteile für die Bilanzkennzahlen dank Erhöhung der DPO (Days Payable Outstanding, Kreditorenlaufzeit).

Effizientes Working Capital Management ist die günstigste Form der Finanzierung
Die positiven Folgen einer aktiven Steuerung des Working Capital können sich sehen lassen: Über Kosteneinsparungen hinaus lassen sich durchschnittlich 20 bis 30 Prozent des gebundenen Kapitals im Umlaufvermögen freisetzen. Die damit einhergehende ver-besserte Bilanzstruktur wirkt sich positiv auf wichtige Unternehmenskennzahlen aus. “Aktives Liquiditätsmanagement steigert die Finanzierungskraft eines Unternehmens von innen heraus, verbessert Bilanzkennzahlen und erhöht so den Unternehmenswert”, erläu-tert Björn Hoffmeyer, General Manager für Global Corporate Payments in Zentraleuropa bei American Express. “Das sorgt im Rahmen der unternehmensspezifischen Diversifizierung von Kapitalquellen für einen verringerten Bedarf an Außenfinanzierung und zugleich für ein gutes Standing gegenüber Banken oder Investoren.” Auch Beratungsexperte Carsten Lehberg sieht eine zunehmende Bedeutung von Working Capital Management als ergänzendes Finanzierungsinstrument – aus einem einfachen Grund: “Effizientes Working Capital Management ist die günstigste Form der Finanzierung”, erläutert Lehberg. Er veranschaulicht diese These mit einem realistischen Beispiel, das auf gewonnenen Erfahrungswerte aus zahlreichen Projekten basiert: “Für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von drei Milliarden Euro entsteht aus der Reduzierung des “Cash to Cash”-Zyklus um lediglich drei Tage (ca. fünf Prozent des durchschnittlichen Nettoumlaufver-mögens) ein Liquiditätsgewinn durch die Freisetzung gebundener Mittel von 25 Millionen Euro”.

“Für unsere Arbeit ist die Deloitte-Studie ein motivierendes Signal”, erklärt Björn Hoffmeyer, “denn wir erkennen, dass viele Unternehmen bereit sind, sich in Zukunft noch intensiver mit den Möglichkeiten und positiven Chancen von Working Capital Management auseinander-zusetzen. Zeitgleich stellen wir fest, dass CFOs im Mittelstand gerade erst das Potenzial entdecken, das in einer Optimierung des Working Capital liegt.”