Maßnahmen bei Sondermülltransporten

Jedes Jahr bewegen Lkw etwa 411 Millionen Tonnen Abfall auf deutschen Straßen – rund 24 Millionen Tonnen davon bestehen aus sogenannten gefährlichen Abfällen. Spezialisierte Logistikbetriebe transportieren diese Stoffe unter hohen Sicherheitsbedingungen und in enger Zusammenarbeit mit den Behörden, um Risiken so gering wie möglich zu halten. Zum Sondermüll zählen Materialien, die aufgrund ihrer chemisch-physikalischen Eigenschaften die Gesundheit oder das Leben von Menschen, Tieren und Umwelt gefährden können.

„Hierzu gehören etwa Krankenhausabfälle, lithiumhaltige Batterien, technische Gase sowie Desinfektions- und Reinigungsmittel“, erklärt Alexander Heine, Geschäftsführer der CM Logistik Gruppe und Experte für genehmigungspflichtige Abfalltransporte. Um die absolute Sicherheit dieser Überführungen von giftigen, ätzenden oder explosiven Substanzen zu gewährleisten, müssen sich die Spediteure an strenge nationale und internationale Regeln halten.

Ständige Kontrollen bei allen Beteiligten
Bereits 1957 hat sich die Europäische Union auf ein Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) geeinigt, dem heute fast 50 Länder angehören. Zusammen mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) regelt es in Deutschland die Logistik von genehmigungspflichtigen Abfällen. Seit 2012 müssen Unternehmen, die gefährlichen Müll transportieren, eine behördliche Erlaubnis vorlegen und ihre Fahrzeuge durch Hinweisschilder kennzeichnen. Aufwendige Genehmigungsverfahren nach § 54 KrWG überprüfen ergänzend die Fach- und Sachkunde sowie die Zuverlässigkeit des Transportunternehmens sehr genau. Nach Ausstellung muss die Erlaubnis alle drei Jahre aktualisiert werden.

„Ungefährlicher Müll wie Holzreste, Tapeten und Bauschutt unterliegt ebenso einer Anzeigepflicht und bedarf eines Fach- und Sachkundenachweis“, so Heine, der mit seinem Unternehmen regelmäßig genehmigungspflichtige Abfälle transportiert. Handelt es sich bei den zu befördernden Abfällen zudem um Gefahrgut, benötigt das Personal eine ADR-Bescheinigung, die alle fünf Jahre im Rahmen einer erneuten Schulung durch die IHK verlängert wird. Gesetzlich vorgeschriebene Gefahrgutbeauftragte sorgen außerdem dafür, dass die geltenden Bestimmungen eingehalten und neue Vorschriften unverzüglich umgesetzt werden. Regelmäßige Überprüfungen der Fahrzeuge gewährleisten, dass die Technik immer auf dem neuesten Stand bleibt.

Umsichtiger Transport
Am Anfang steht die Frage, ob es sich bei dem zu entsorgenden Gut überhaupt um gefährlichen Müll handelt. Ein Blick in die Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV), die Stoffe entsprechend ihrer Gefährlichkeit auflistet, schafft da Klarheit.

„Der Gesetzgeber unterscheidet zudem zwischen primär erzeugten Sonderabfällen, die überwiegend als unvermeidbare Nebenprodukte bei Produktionsprozessen anfallen, und sekundär verursachtem Sondermüll, der erst bei der Behandlung von Primärabfällen neu entsteht“, erläutert Logistik-Fachmann Heine.

Staatlich geprüfte Betriebe tragen dann für den Abtransport der häufig gesundheitsschädlichen Güter die Verantwortung. Wurde für das Unternehmen zuvor kein Zertifikat ausgestellt, dokumentiert ein Quittierungsverfahren mit Begleit- und Übernahmescheinen – die sogenannte Verbleibskontrolle – nachvollziehbar, ob der vorab geprüfte Entsorgungsweg für jeden einzelnen Abfalltransport eingehalten wurde. Auf Ebene der Bundesländer lösen elektronische Verfahren, die Angaben zum Abfallbeförderer, -besitzer und -verwerter oder zur Bezeichnung und Menge des zu beseitigenden Gutes speichern, diese Begleitscheinverfahren zunehmend ab. „Exzellente Logistikbetriebe zeichnen sich daher durch eine enge Kooperation mit den Länderbehörden aus und halten ihre technische sowie technologische Ausrüstung immer aktuell“, so Heine. „Nur so kann die Sicherheit beim Transport von gefährlichen Abfällen gewährleistet werden.“