Massivumformung profitiert vom Export

Massivumformung_Extrem belastbare Schmiedeteile für Fahrzeuge und MaschinenDie Unternehmen der Massivumformung hoffen auf steigende Investitionen im zweiten Halbjahr 2015 und damit wie im Vorjahr auf ein Wachstum von bis zu drei Prozent. Der Industrieverband Massivumformung rechnet allerdings damit, dass sich die Betriebe zu Beginn des Jahres noch niedrige Wachstumsraten verzeichnen werden.

„Die Konjunktur wird weiterhin von Investitionsunsicherheit geprägt. Außer den Sorgen um die Finanzmärkte und die hoch verschuldeten europäische Staatshaushalte nehmen zusätzlich Krieg und Terror Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen“, sagt Holger Ade, Leiter Betriebswirtschaft im Industrieverband Massivumformung.

Die Investitionsgüterindustrien Maschinenbau und Nutzfahrzeuge haben sich vor diesem Hintergrund weniger positiv entwickelt als prognostiziert. Daher wurden im Jahresverlauf die Prognosen – auch für das BIP-Wachstum der meisten Volkswirtschaften – nach unten revidiert. Lediglich Nordamerika und Asien, insbesondere China, zeigten sich unbeeinflusst und stützten die Konjunktur der Massivumformung in Deutschland. In diesem Umfeld konnten die Mitgliedsunternehmen des Industrieverbands Massivumformung bis Novem-ber ein Produktionsplus von 2,8 Prozent erzielen, das maßgeblich von einer guten Export-entwicklung getragen wurde.

Zuletzt mehrten sich zwar Signale, die eine günstigere konjunkturelle Entwicklung in den nächsten Monaten andeuten. „Allerdings hat sich dies noch nicht zu einer optimistischeren Stimmung der im Industrieverband Massivumformung organisierten Schmieden ausge-wirkt“, erklärt Ade. In der aktuellen Verbandsumfrage beurteilen nur noch 27 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage als gut, die meisten sind lediglich zufrieden (64 Prozent). Zudem sehen lediglich zwei Prozent eine Besserung im ersten Quartal 2015 und zwölf Prozent hoffen auf mehr Geschäft im ersten Halbjahr. Genauso viele erwarten jedoch auch eine Verschlechterung. Die große Mehrheit geht demnach von einer Seitwärtsbewegung aus. „Die Unternehmen scheinen sich in gewisser Weise an die geopolitische Lage gewöhnt zu haben und erwarten jedenfalls keine weitere Eskalation oder einen stärkeren Effekt auf die Weltwirtschaft“, erklärt Holger Ade.

Dementsprechend besteht nach Ansicht des Verbandes Hoffnung, dass auch 2015 ein Wachstum erzielt werden kann, das in der Massivumformung in Deutschland drei Prozent betragen könnte. „Die Politik muss dafür allerdings dringend investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen schaffen“, betont Dr. Theodor L. Tutmann, Geschäftsführer des Industrieverbandes Massivumformung. Trotz eines schwierigen geopolitischen Umfeldes und weitreichenden Sanktionen in wichtigen Märkten hat die Branche 2014 Wachstum und zusätzliche Arbeitsplätze generiert. „Allerdings muss die Politik sich bewusst machen, dass dies für die Zukunft keineswegs gesichert ist. Die jüngsten Entscheidungen der großen Koalition für eine Rente ab 63, Mütterrente oder den Mindestlohn schwächen den Industrie-standort nachhaltig“ kritisiert Dr. Tutmann. Änderungen an der Erbschaftsteuer könnten den Mittelstand zusätzlich belasten.

Die größte Gefahr stelle aber die Energiewende dar. „Es muss endlich gelingen, die Industriestrompreise auf ein wettbewerbsfähiges Niveau abzusenken und langfristig zu stabilisieren, sodass Investitionsentscheidungen wieder für den Standort Deutschland getroffen werden können. Eine vorübergehend konstante EEG-Umlage reicht dazu bei weitem nicht aus“, so Dr. Tutmann.

Produktionskapazitäten werden bereits heute weit überwiegend im Ausland ausgeweitet und aufgebaut. Selbst Verlagerungen von bestehenden Produktionskapazitäten sind vereinzelt zu beobachten. „All dies geschieht aber schleichend und relativ geräuschlos. Umso ernster muss die Politik daher die wenigen Signale dieser fatalen Entwicklung aufgreifen und gegensteuern, etwa indem die Finanzierung der Energiewende nicht ausschließlich per Umlage auf die Stromverbraucher finanziert wird“, so Dr. Tutmann. Dafür setzt sich auch der Wirtschaftsverband WSM in Berlin ein, indem er eine Finanzierung des Umbaus über den Staatshaushalt einfordert.

Bild: Unternehmen der Massivumformung produzieren (mechanisch) extrem belastbare Bauteile für Fahrzeuge und Maschinen, Foto: Industrieverband Massivumformung e. V.