Kupferpreis steigt deutlich auf 2-Jahreshoch

Nach einem anfänglich eher ruhigen Monat hat der Kupferpreis Ende Juli deutlich zugelegt. Die Entwicklung war insbesondere getrieben von einem schwachen US-Dollar und der Ankündigung aus China in Zukunft weniger Schrotte zu importieren. Die Produktionsseite zeigte sich mit Blick auf die angekündigten Produktionsstillstände im Juli deutlich freundlicher.

Die sich abzeichnende Konjunkturbelebung in China hat sich weiter gefestigt. Für das zweite Quartal berichtet die weltweit zweigrößte Volkswirtschaft über ein Wirtschaftswachstum von 6,9 % (gemessen am Bruttoinlandsprodukt/BIP). Bisher waren Prognosen von einem Wert zwischen 6,7 % und 6,8 % ausgegangen. Wesentliche Treiber waren unter anderem die Rohstoffbranche, der Außenhandel und die Industrieproduktion. Letztere gilt als einer der wesentlichen Verarbeiter von raffiniertem Kupfer in Endverbraucher-Anwendungen wie Kühlschränke oder Klimaanlagen. Das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe erreichte im Juni einen Wert von 7,6 % und lag damit deutlich über der Markterwartung von 6,5 %. Auch wenn China im zweiten Halbjahr leicht an Schwung verlieren sollte, bildet der aktuelle Wert ein gutes Polster um das avisierte Jahresziel einer BIP-Steigerung von 6,5 % zu erreichen.

In den Vereinigten Staaten zog die Produktion im Juni weiter leicht an. Ein Plus um 0,2 % lag dabei im Rahmen der Erwartungen der Analysten. Wichtig zu erwähnen ist die konstante Entwicklung: In den vergangen fünf Monaten konnten sich sowohl die Inlandsnachfrage als auch der Export stetig steigern. Das ist der längst Erholungszeitraum seit 2014. Profitiert hat davon unter anderem die Automobilproduktion, die nach schwierigen Monaten zuletzt wieder anzog.

In der Eurozone stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Europäische Zentralbank hat in ihrer jüngsten Prognose das Bruttoinlandsprodukt für den Euroraum angehoben. 2017 soll dies um 0,2 Punkte höher liegen als bisher angenommen und damit 1,9 % betragen. Zudem haben sich die Industrieausfuhren positiv entwickelt. Im Monatsvergleich erhöhten sich diese zuletzt um rund 4 %, was den höchsten Anstieg seit August vergangen Jahres darstellt.

Auch wenn es noch keine offiziellen Resultate für das zweite Quartal gibt, das Wachstum in Deutschland dürfte in diesem Jahr so kräftig ausfallen wie schon lange nicht mehr. Sowohl die Exporte als auch die Industrieproduktion wuchs kräftig. Der Geschäftsklimaindex des Münchener ifo-Instituts eilte zuletzt von Rekord zu Rekord. Entsprechend sagt der Internationale Währungsfonds für die Bundesrepublik ein Wirtschaftswachstum von 1,8 % voraus.

Kupfer kompakt
Die Frage wie sich Angebot und Nachfrage nach raffiniertem Kupfer im Jahr 2017 zueinander verhalten werden, beantwortet der jüngste Reuters-Poll. Er fasst die Meinung von 29 Ana-lysten zusammen. Erwartet wird ein überschaubares Produktionsdefizit von 44.000 t. In 2018 soll es dann wieder zu einem leichten Überschuss von 74.000 t kommen.

Die Zahlen des Word Bureau of Metal Statistics (WBMS) stützen diese Tendenz: Für die ersten fünf Monate 2017 sieht das Institut ein Defizit von 65.000 t, dies bei einem leicht geringeren Minenoutput von 8,3 Mio. t und einer leicht höheren Produktion an raffiniertem Kupfer von 9,6 Mio. t. Dieser Produktion stand nach Angaben von WBMS eine Marktnach-frage von 9,7 Mio. t gegenüber.

Eine ähnliche Tendenz zeichnet sich auch in den Zahlen der International Copper Study Group ab. Zwar sehen diese für den um einen Monat kürzeren Zeitraum von Januar bis April 2017 noch einen Überschuss von 80.000 t. Im Monat April 2017 hat sich nach Angaben der Experten aber das Defizit auf 53,000 t, nach 18.000 t im März, ausgeweitet.

Laut WBMS baute China in den ersten fünf Monaten seine Produktion weiter aus und steigerte erneut den Output um 241.000 t. Gleichzeitig ging die chinesische Nachfrage nach Kupfer um 253.000 t auf 4,7 Mio. t zurück. Mit einem Anteil von über 48 % am Weltmarkt blieb China aber weiterhin der größte Kupferkonsument weltweit.

Zum Ende des Monats überraschte die Volksrepublik mit einer Ankündigung, ab Ende 2018 weniger Kupferschrotte zu importieren. Dabei soll es sich nach Angabe von Morgan Stanley im Detail um Schrotte mit geringem Kupferinhalt von rund 14 % handeln. Diese sollen aktuell zwischen 60 und 70% der Schrottimporte von China ausmachen.

Preisentwicklung

Der Kupferpreis an der LME zog Ende Juli deutlich an und überschritt dabei die Marke von 6.000 US$. Grundsätzlich blieben aber die Reaktionen auf Tagesereignisse im Juli moderat und es waren keine größeren Kursausschläge zu verzeichnen. Zur Julimitte konsolidierte sich der LME-Kupferpreis (Settlement) bei einem Mittelwert von etwa 5.950 US$/t, bevor er zum Ende des Monats deutlich anzog und die Marke von 6.000 US$ überschritt, wobei ein neues 2-Jahreshoch erreicht wurde. Als mögliche Gründe für die dynamische Entwicklung sehen Beobachter den schwachen US-Dollar und die Ankündigung aus China, in Zukunft weniger Schrotte zu importieren. In die Differenz zwischen Kassa-Kurs und Drei-Monats-Kurs geriet Bewegung. Das Contango weitete sich aus und lag zumeist über 30 US$/t. Das Arbitrage-fenster zwischen LME und SHFE blieb geschlossen. Die jüngste Reuters-Umfrage ergab im Mittel einen Prognosewert für 2017 von 5.716,50 US$/t. Der Durchschnitt der LME-Settlement-Notierungen für das erste Halbjahr lag bei rund 5.750 US$/t.

Kupferrohstoffe
Vom Markt für Kupferkonzentrate ist im Juli wenig Neues zu berichten. Er wird in den Medien als ruhig beschrieben und zeigt nur geringe Spot-Aktivitäten. Nach der Veröffentlichung der Basic-TC/RC des Chinese Smelter Purchase Teams für das dritte Quartal in Höhe von US$ 86 und 8,6 cents per lb ist die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, ob sich diese Marke im aktiven Handel bestätigt. Schlechtes Wetter behindert und verzögern Konzentratverschiff-fungen aus Chile, größere Versorgungsstörungen werden daraus jedoch nicht abgeleitet. Die aktuellen TC/RCs im Chinageschäft der Minen streuen nach Angaben des Metal Bulletin in einer Bandbreite von US$80/8,00 cents bis $87/8,70 cents für Lieferungen im Juli bis September.

Am europäischen Altkupfermarkt hat sich im Juli die im Vormonat einsetzende Entwicklung fortgesetzt. Stabile bis festere Kupferpreise sorgten für ein vergleichsweise solides Angebot, dem nur ein selektives Kaufinteresse gegenüberstand. Erst zögerlich zeigten sich in der zweiten Monatshälfte saisonale Einflüsse, die sich im August verstärkten könnten. Zwar herrscht in diesem Monat in großen Teilen Europas Urlaubszeit, doch inwieweit sich dies auch entsprechend in den Marktaktivitäten auswirkt, ist nicht bestimmbar. Die Indikationen zu Raffinierlöhnen entsprechen der guten Verfügbarkeit.

Bestände
Was sich in der LME-Bestandsentwicklung zum Monatswechsel Juni/Juli zeigte, ließ bei vielen ein Dèjá-vu-Erlebnis entstehen. Wie bereits dreimal seit Dezember 2016 kam es bei der LME innerhalb kürzester Zeit zu einem deutlichen Anstieg der Kupferbestände. In nur vier Tagen nahmen sie um 73.000 t, von 243.330 t auf 315.925 t zu, ein Zuwachs von 30 %. Wie Dow Jones berichtet, soll allein ein Marktteilnehmer für die Einlieferung von 87.000 t verantwortlich sein. Betroffen waren erneut asiatische LME-Lagerhäuser. Angesichts des Wiederholungseffekts dürfte bei Marktbeobachtern inzwischen die Erkenntnis vorhanden sein, dass dies keine Indikation für die Angebots-/Nachfrageentwicklung sein kann. Die Kupferpreise zeigten deshalb auch kaum eine Reaktion. Der signifikante Zuwachs vom Monatsanfang blieb im weiteren Monatsverlauf ein einmaliger Vorgang. Die Bestandsmengen nahmen stattdessen wieder leicht ab und erreichten am 27.07 eine Höhe von 300.575 t. Bei der SHFE ergaben sich insgesamt wenige Veränderungen in der Bestandshaltung. Ausgelöst durch die Ankunft neuer Kathodenmengen in Shanghai soll der Kupferbestand im Zolllager auf bis zu 530.000 t angestiegen sein.

Grafik: Preisentwicklung Kupfer, Juli 2017, Quelle: Aurubis

von Aurubis