Folgen der Mautausweitung für Spediteure

Wie stark Transporteure die Ausweitung der Lkw-Maut auf deutsche Bundesstraßen finanziell trifft, hängt von der Region ab, in der sie unterwegs sind. Zu diesem Ergebnis kommt der Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (ELVIS) in einer Analyse von mehr als 450.000 Transportverbindungen. Während die Mautkosten im Durchschnitt um 5,4 Prozent steigen, müssen Spediteure für Strecken in bestimmten Regionen bis zu 25 Prozent mehr zahlen. Insbesondere im Nahverkehr erhöhen sich die Kosten erheblich.

„Bisher gab es viele Spekulationen, wie hoch die durch die Mautausweitung entstehenden Mehrkosten ausfallen. Mit unserer Studie liefern wir zuverlässige Angaben“, sagt Daniel Markus, Leiter des Bereichs ELVIS Consulting. Bisher mussten sich Spediteure mit Schätzungen auf Grundlage nationaler Durchschnittswerte zufriedengeben. Diese bergen die Gefahr, dass Kosten im Einzelfall deutlich abweichen. Denn je nach Region ist der Anteil an Land- und Bundesstraßen im Verhältnis zur gesamten Straßeninfrastruktur unterschiedlich stark ausgeprägt. Deutlich wird dies im Vergleich einzelner Verbindungen: Während die Kosten auf der Strecke zwischen Bremen und Berlin um ein Prozent steigen, müssen Spediteure für eine Fahrt zwischen dem Saarland und Baden-Württemberg 25 Prozent mehr zahlen.

„Die zum Teil drastischen Unterschiede haben auch uns überrascht“, so Markus. Insgesamt ist der Anteil an mautpflichtigen Strecken den Berechnungen zufolge bundesweit um durchschnittlich 4,98 Prozent gestiegen.

Die Studie von ELVIS zeigt zudem, dass vor allem der Nahverkehr von der Mautausweitung betroffen ist. In einem Radius von 25 Kilometern steigen die Kosten im Durchschnitt um 87 Prozent. Im Umkreis von 100 Kilometern beträgt der Mehraufwand im Mittel 26 Prozent. Erst ab einer Entfernung von circa 500 Kilometern stagnieren die Zusatzkosten bei durchschnittlich fünf Prozent.

Grundlage der Ergebnisse ist eine Analyse der Einzelverbindungen auf den innerdeutschen Transportlinien. Insgesamt 1,3 Millionen Berechnungen hatte ELVIS dafür angestellt. Alle 1.225.576 deutschen Straßen hatte der Verbund in ein Cluster eingeteilt, das aus 670 dreistelligen Postleitzahlgebieten besteht. Anschließend wurde für jedes Cluster der geographische Mittelpunkt bestimmt und die Entfernung der einzelnen Zentren zueinander berechnet. „Mithilfe des Modells können wir die Mautkosten für jede einzelne Verbindung exakt bestimmen“, sagt Markus. Für die anstehende Erhöhung der Mautgebühren ab 2019 aktualisiert das ELVIS-Consulting-Team in den nächsten Wochen die Berechnungen.