Flexibler Energieeinkauf nutzt Preissituation

Die Energiepreise für Industrie und Gewerbe sind im April auf ein etwas höheres Niveau als im Vormonat angestiegen. Zum Ende des Monats gaben die Preise allerdings bereits wieder nach. In der Folge des insgesamt etwas höheren Preisniveaus haben sich die Beschaffungs-preise für Unternehmen etwas erhöht. Der von der ISPEX AG ermittelte Energiepreisindex lag sowohl für Strom als auch für Gas etwas über den Preisen, die noch im März erzielt wurden. Das ergab die Analyse der Ausschreibungen und Auktionen für Strom und Gas durch die ISPEX-Energieexperten für den Monat April.

Strompreise sind im April etwas höher
Der im April durchschnittlich gebotene Strompreis stieg im Vergleich zum Vormonat leicht an. Im April lag der Durchschnittspreis nun bei 3,30 Cent je Kilowattstunde, nach vormals 3,20 Cent je Kilowattstunde im März. Der durchschnittlich erzielte Strompreis bewegt sich im bisherigen Jahresverlauf 2017 weiter in einem schmalen Preiskorridor. Er bildet damit ziemlich genau den Verlauf der Notierungen an den Großhandelsplätzen nach. Dort sind die Preise seit Monaten recht stabil und sorgen weiter für relativ gute Beschaffungskonditionen für die Lieferanten.

Am Marktgeschehen bei Ausschreibungen und Auktionen zeigt sich, dass Unternehmen und die für Energiebeschaffung verantwortlichen Einkäufer sich mittlerweile wieder verstärkt dem Thema Kosten und Konditionen der Energielieferung zuwenden. Vermehrt werden Lieferverträge für die Folgejahre verhandelt. Aktuell spricht daher nichts gegen ein weiteres Abwarten, da auch nicht zu erwarten ist, dass die Preise kurzfristig nachgeben werden.

„In der aktuell stabilen Lage sollte im Zuge der Beschaffungsüberlegungen jedoch geprüft werden, ob die Beschaffung zum Fixpreis an einem einzigen Zeitpunkt tatsächlich dem Risikoprofil des jeweiligen Unternehmens entspricht“, rät Marktexperte Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der ISPEX AG.

„Wie bereits auf anderen Märkten ist auch auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt zu beobachten, dass die Unternehmen verstärkt eine Beschaffung am Markt entlang in Erwägung ziehen. Eine solche Einkaufsstrategie, mit mehreren Einkaufszeitpunkten und Tranchen, trägt erheblich zur Risikominimierung bei“, erläutert Arnold. Dies stelle eine zeitgemäße Beschaffungsstrategie dar.

Stabile Strompreise an den Großhandelsplätzen
Die stabilen Einkaufskonditionen für Industrie- und Gewerbebetriebe sind ein Abbild der Situation an den Strombörsen. Dort ist seit Jahresbeginn wenig Bewegung der Preise nach oben oder unten zu beobachten. Die Notierungen für Stromlieferungen stiegen zu Monatsbeginn zwar wieder etwas an, endeten jedoch nicht in einem deutlichen Aufwärtstrend. Stattdessen stabilisierten sie sich zunächst und gaben zum Monatsende sogar wieder etwas nach. Daher gibt es nach wie vor derzeit keinen klaren Preistrend und keine Marktindikatoren für deutliche Preisbewegungen in die eine oder andere Richtung. Vor allem der Kohlepreis dürfte sich in den kommenden Wochen weiter seitwärts bewegen. Dieser ist aktuell der stärkste Indikator für den Strompreis. Laut Arnold fehlten hier klare Anzeichen für eine nachhaltige Bewegung in die eine oder andere Richtung.

Gaspreis nahezu stabil
Die durchschnittlich erzielten Gaspreise bei Ausschreibungen und Auktionen lagen im April nur knapp über den Preisen im Vormonat. Der Durchschnittspreis stieg kaum spürbar von 1,75 Cent je Kilowattstunde auf 1,77 Cent je Kilowattstunde. Verglichen mit den Strompreisen ist bei den Gaspreisen nun schon seit Mitte des Jahres 2016 kaum Bewegung zu beobachten. Die Preiskurve zeigt lediglich einen minimalen Aufwärtstrend. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, da es in dieser Zeit zu teils erheblichen Preisschwankungen an den Großhandelsmärkten kam.

„In unserer Preisanalyse zeigt sich, dass das unterschiedliche Einkaufsverhalten der Lieferanten dazu führen kann, dass Preisschwankungen an den Großhandelsplätzen ausgeglichen werden und nicht eins zu eins bis zum Endkunden durchschlagen“, erklärt Energieexperte Stefan Arnold.

Angesichts derzeit fehlender Signale für ein kurzfristig deutliches Absinken der Märkte und damit gegebenenfalls auch der Preise für die Unternehmen, spricht nach Auffassung der ISPEX-Experten vieles dafür, das derzeitige Niveau zu nutzen, um zumindest Gas für das Folgejahr zu beschaffen. „Aufgrund der bisherigen Entwicklung der Marktdaten und der dazugehörigen Endpreise kann damit gerechnet werden, dass der leichte Aufwärtstrend noch anhält und es auf Sicht keine günstigere Möglichkeit zur Gasbeschaffung geben wird“, analysiert Stefan Arnold.

Preisbewegungen bei Erdgas in engem Korridor
Im April zeigten sich die Schwankungen der Gaspreise an den Großhandelsplätzen nur in abgeschwächter Form. Sie bewegten sich in einem sehr schmalen Korridor. Vor dem Hintergrund der Zusammenhänge der Preise für die unterschiedlichen Energiearten ergibt sich derzeit auch für die Gaspreise eine stabile Situation. Aufgrund der Entwicklung der Öl- und Kohlepreise sind keine größeren Bewegungen zu erwarten.