Energiepreise mit unterschiedlicher Entwicklung

Die Gaspreise, die schon seit Beginn des Jahres fallen, sind noch weiter gesunken und erreichten im Juni den Jahrestiefststand. Die Strompreise hingegen stiegen im Vergleich gegenüber denen im Mai. Das anstehende Lieferjahr 2018 übersteigt die kommenden Lieferjahre und verursachte einen Preisanstieg. Die Strom- und Gaspreise entwickelten sich im letzten Monat unterschiedlich, wie die Experten der ISPEX AG bei der Analyse der Energiepreise für den Monat Juni feststellten.

Strompreise entsprechen wieder April-Werten
Im Juni befanden sich die Strompreise über dem Mai-Niveau. Der durchschnittliche von ISPEX ermittelte Preis lag für Unternehmen bei 3,31 Cent je Kilowattstunde, was in etwa dem April-Wert entspricht. Mit teilweise 3,08 Cent je Kilowattstunde war das Mai-Niveau niedriger.

Verantwortlich für den Anstieg der Preise ist die Entwicklung an der Börse. Im Mai waren die Preise für Unternehmen noch niedriger und sie nutzten die günstigen Konditionen. Im Juni jedoch pendelten sich die Preise auf ein andauernd höheres Niveau ein. Besonders die Unternehmen, die noch einen Liefervertrag für das Frontjahr abschließen mussten, waren von den steigenden Preisen betroffen.

Im Unterschied zur Situation 2016 schlägt das nun anstehende Frontjahr mit höheren Preisen zu Buche als die darauffolgenden Jahre 2019 und 2020. Stromkunden, deren Ansatz es war, lediglich für das Folgejahr einzukaufen, hatten damit letztes Jahr Erfolg. Zurzeit jedoch ist das Preisniveau höher als bei Verträgen, die über 2018 hinausgehen.

„Eine allgemein „richtige“ oder „falsche“ Strategie gibt es derzeit nicht. Angezeigt ist nach wie vor ein Abgleich mit der allgemeinen Unternehmensstrategie sowie die laufende Beobachtung der Märkte, um ein für das jeweilige Unternehmen optimales Ergebnis zu erzielen“, erläutert Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der ISPEX AG, die aktuelle Situation.

Strompreise bleiben im Juni hoch
Die Strompreise, die im Mai an den Börsen aufgerufen wurden, übertrafen die Juni-Werte. Das höhere Preisniveau blieb den Juni hindurch gleichbleibend erhalten. Die Notierungen für die Lieferjahre 2019 und 2020 hingegen lagen im Juni ungefähr bei den Werten Ende Mai. Damit unterscheiden sie sich deutlich vom Frontjahr, dessen Preise derzeit signifikant über denen von 2019 und 2020 angesiedelt sind. Das ist das komplette Gegenteil zu der Lage im Sommer 2016, als die Preise für das Frontjahr ungefähr den Preisen für 2018 und 2019 entsprachen und das Jahr 2020 signifikant höher gehandelt wurde. Seit längerem schon gibt es am weltweiten Energiemarkt weder Impulse für steigende noch für sinkende Preise.

“Der Kohlepreis als wichtiger Indikator stagniert derzeit. Die weltweite Nachfrage- und Angebotssituation gleicht sich im Wesentlichen aus und verspricht weder Bewegung in die eine noch in die andere Richtung“, beschreibt Marktexperte Arnold die Situation. Zur Belastung für den Strompreis wurde auch der Rohölpreis. Der Preisverfall nach dem enttäuschenden Ergebnis der OPEC-Tagung zu Förderbeschränkungen hielt im Juni weiter an. Erst in den letzten Tagen war wieder eine Trendumkehr erkennbar. Setzt sich diese fort, könnte sie den Strompreis wieder stützen. Stefan Arnold vermutet, dass die jetzige Strompreisentwicklung anhält und die Preise weiter leicht ansteigen.

Gaspreise auf dem niedrigsten Niveau des Jahres
Die Konditionen für Gaslieferverträge waren im Juni noch besser als im Mai. Unternehmen konnten zu dem von ISPEX ermittelten, durchschnittlichen Preis von 1,72 Cent je Kilowatt-stunde Gas einkaufen. Damit sank der Preis um 0,04 Cent je Kilowattstunde.

Die Preise im Juni sind auf das niedrigste Niveau dieses Jahres gefallen, bewegten sich aber innerhalb eines engen Rahmens durchaus stabil. Im Vergleich mit den Preisentwicklungen an den Börsen waren die Auswirkungen auf den Endkunden jedoch eher gering, was eine Preissenkung betrifft.

„Der Kurs zeichnet eine deutliche Abwärtsbewegung nach. In absoluten Zahlen ist die Veränderung aber sehr gut nachvollziehbar. Dort lag der Durchschnittswert für die künftigen Lieferjahre auf dem Terminmarkt bei etwa 50 Cent je Megawattstunde unter den Maiwerten. Umgerechnet auf die Kilowattstunde liegt man mit 0,05 Ct je Kilowattstunde sehr nah bei den gerundeten 0,04 Ct des ermittelten Energiepreisindex“, erklärt Stefan Arnold.

Damit entsteht ein ganz anderes Bild als bei den Strompreisen: Die Gaspreise der folgenden Lieferjahre unterscheiden sich kaum voneinander. Nur 2020 ist das Preisniveau noch etwas niedriger. Der Gaseinkauf muss also derzeit nicht unbedingt von den Lieferjahren bestimmt werden.

Gaspreise an Börsen sind gesunken
Die Endkundenpreise sanken wie die Gaspreise an den Börsen den Juni hindurch, legten aber Ende des Monats wieder leicht zu. Die vorherrschende Preisentwicklung seit Anfang des Jahres wird somit im Juni fortgesetzt. Seit Monaten sinken die Preise in geringem Ausmaß und bestätigen damit die erwartete Entwicklung der Großhandelspreise. Derzeit wird dieser Abwärtstrend von den Ölpreisen untermauert. Besonders in den letzten Tagen im Juni und den ersten im Juli, als die Ölpreise leicht anstiegen und die Gaspreise der Entwicklung sofort folgten, war die Auswirkung der Öl- auf die Gaspreise wieder sehr deutlich zu erkennen.

Der signifikante Anstieg der Gaspreise in Großbritannien könnte die Kurse auch hierzulande stabilisieren, da die britischen Gaspreise auch Einfluss auf die Börsenpreise auf dem Kontinent haben. Ebenso könnten die gefestigten Kohlepreise die Gaspreise unterstützen. Dass die Gaspreise auf den jüngsten Ausschlag der Rohölpreise nach oben reagierten und ebenfalls anstiegen, bedeutet jedoch nicht unbedingt eine Stabilisierung der Gaspreise.

„Gerade die hohe Bindungswirkung an den Ölpreis birgt die Gefahr, dass ein fallender Ölpreis auch die Gaspreise mit nach unten zieht“, erklärt Stefan Arnold. Deutliche positive Signale für einen Anstieg des Ölpreises sind zurzeit nicht in Sicht. Der Ölpreis wird also voraussichtlich weiter sinken und den Gaspreis mit sich ziehen, so dass sich dieser vermutlich weder stabilisieren noch dem Aufwärtstrend der letzten Tage folgen wird.