Energiepreise für Industriebetriebe werden steigen

Industrie- und Gewerbebetriebe konnten in der ersten Septemberhälfte die zunächst wieder fallenden Großhandelspreise für Strom und Gas nutzen. Sie sicherten sich insgesamt etwas günstigere Einkaufskonditionen für Strom und Gas als noch im August. Der von der ISPEX AG monatlich ermittelte Energiepreisindex sank daher sowohl für Strom als auch für Gas. Da die Kurse an der Energiebörse ab der zweiten Septemberhälfte nach oben kletterten, erwarten die ISPEX-Experten nach der monatlichen Analyse der Energiepreise steigende Preise in den nächsten Wochen.

Steigende Strompreise in Sicht
Im September lag der Preisindex aus den besten Angeboten der Stromlieferanten für ausgeschriebene Stromlieferverträge im Durchschnitt bei 2,93 Cent je Kilowattstunde. Er bewegte sich damit etwas unter dem Wert im August von 3,04 Cent je Kilowattstunde. Dass der Wert wieder unter 3 Cent je Kilowattstunde gefallen ist, lag daran, dass sich Unternehmen nach den fallenden Preisen im August vor allem in der ersten Septemberhälfte bereits mit Stromlieferverträgen eingedeckt haben.

„Mit Einsetzen des kräftigen Preisanstiegs in der zweiten Monatshälfte im September haben die Unternehmen beim Stromeinkauf bereits Zurückhaltung walten lassen“, erklärt Energie-experte Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der ISPEX AG, das Einkaufsverhalten der Unternehmen.

Der jüngste Preisanstieg macht die verschiedenen Wechselwirkungen auf dem Energiemarkt deutlich. Beispielsweise wurden die Strompreise aktuell durch Nachrichten aus Frankreich nach oben getrieben. Durch ungeplant lange Wartungsarbeiten in zwölf Kernkraftwerken war Frankreich zeitweise auf Stromimporte angewiesen. Der hier eingetretene Anstieg bei den kurzfristigen Produkten zog die Preise für mittel- und längerfristigen Stromlieferverträge in die Höhe. Die Erwartung eines höheren Bedarfs an Kohle zur Verstromung in den Kohlekraft-werken zur Kompensation des Ausfalls der Kernkraftwerke führte dann zu einer Forcierung des bereits zuvor an den Weltmärkten eingeläuteten Preisanstiegs für Kohlelieferungen.

„Diese aktuelle Entwicklung der Börsenpreise und der damit zusammenhängenden Einkaufs-preise für Unternehmen, zeigt sehr deutlich, dass Preistrends am Energiemarkt von vielen Faktoren beeinflusst werden und nur schwer vorhergesagt werden können“, so Arnold.

Wollen Unternehmen die Chancen des schwankenden Energiemarkts nutzen und zugleich die Risiken minimieren, führt nach Arnolds Ansicht kein Weg an einer regelmäßigen Markt-beobachtung vorbei. Sie sollte eine vorher festgelegte Beschaffungsstrategie berücksichtigen. Die Energieeinkäufer in Unternehmen sollten sich bereits ab einer Jahresenergiemenge von etwa 5 GWh mit den Möglichkeiten der automatisierten Marktbeobachtung auseinander-setzen, um sich nicht der Gefahr einer allzu risikobehafteten Beschaffung von Strom und Gas auszusetzen.

„Es ist zu erwarten, dass die durchschnittlichen Einkaufskonditionen für Stromlieferungen im kommenden Monat deutlich über denen des Septembers liegen werden“, prognostiziert Arnold. Zwar sei derzeit eine gewisse Zurückhaltung bei den Unternehmen zu spüren. Dennoch seien gerade Unternehmen, die entweder Budgets bereits für 2018 festlegen oder noch Lieferverträge für 2017 abschließen bzw. erneuern müssen, gezwungen, zu den derzeitigen Konditionen abzuschließen. Hier würde ebenfalls eine vorher festgelegte Beschaffungsstrategie das Risiko streuen.

Gaspreisindex ist im Monatsschnitt vorerst nochmals leicht gesunken
So ähnlich wie beim Strom stellt sich auch die Situation bei den Gaspreisen dar. Auch dort fiel der ISPEX Gaspreisindex leicht von 1,70 Cent je Kilowattstunde im August auf 1,65 Cent je Kilowattstunde im September.

Die Lage bei der Gasbeschaffung entspricht weitgehend der beim Stromeinkauf. Hier entwickeln sich ebenso die Börsenpreise derzeit nach oben. Die Ursachen liegen in stark steigenden Strom- und Kohlepreisen. Steigen die Strompreise über ein bestimmtes Maß, wird der Einsatz von Erdgas zur Stromproduktion wieder lukrativ, was die Preise zusätzlich befeuert. So entstehen Wechselwirkungen zwischen dem Strom- und dem Gaspreis. Aktuell kamen noch Absprachen der OPEC-Länder über Förderkürzungen hinzu, was zu steigenden Rohölpreisen und damit höheren Gaspreisen führte. Die Preisbewegungen beim Gas fallen jedoch derzeit deutlich verhaltener aus als beim Strom. Die Preise liegen noch unter denen des Vorjahres.

„Es ist aber auch hier zu erwarten, dass Unternehmen im Oktober zu schlechteren Konditionen als noch Anfang September einkaufen können“, so Arnold.

Für die Gas-Einkäufer gilt daher dasselbe wie beim elektrischen Strom. Durch gezielte Marktbeobachtung kann das Risiko diversifiziert werden und die Unternehmen laufen weniger Gefahr, aufgrund externer Zwänge oder bestehender Unsicherheit, ihren gesamten Gasbedarf zu einem ungünstigen Zeitpunkt einzudecken. Gerade der Kursverlauf über das Jahr an den Großhandelsplätzen und die Entwicklung des ISPEX Gaspreisindex zeigen, dass die Gaspreise auch ohne große politische Verwerfungen nach wie vor sehr volatil sind.