EMI: Wirtschaft auf robustem Wachstumskurs

Die gegenwärtige Schuldenkrise, staatliche Sparpakete und die anhaltende Talfahrt des Euro haben den deutschen Konjunkturmotor bisher nicht bremsen können. Die Industrie verzeichnete auch im Juni ein anhaltend robustes Wachstum. Das belegt der saison- bereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der mit 58,4 Punkten exakt auf dem Niveau des Vormonats notiert und damit die neunte Expansion in Folge kennzeichnet.

„Trotz des positiven Konjunkturverlaufs beobachten wir die stark gestiegenen Einkaufs- preise mit Sorge. Hier wird viel davon abhängen, ob sich Stahl und Industriemetalle weiter verteuern“, kommentierte Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundes- verbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am 2. Juli die aktuelle EMI-Statistik.

„Die weltwirtschaftliche Erholung aber auch die Abschwächung des Euro haben der deutschen Industrie starke Impulse verliehen. Besonders erfreulich ist die Entwicklung in den Investitionsgüterbranchen“, sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Landes- bank Hessen-Thüringen (Helaba), am 2. Juli dem BME in einer ersten Bewertung der jüngsten EMI-Zahlen. Dies deute darauf hin, dass der Investitionszyklus angesprungen sei. Das wirke sich entsprechend positiv auf den Arbeitsmarkt aus. Vorsicht sei allerdings bei dem erreichten hohen Niveau des EMI geboten. „Weitere Anstiege sind meiner Meinung nach eher unwahrscheinlich. Die Konjunkturdynamik wird voraussichtlich im Laufe des Jahres etwas nachlassen”, sagte Traud abschließend.

In allen drei von der Umfrage erfassten Hauptbereichen der deutschen Industrie – Vorleistungsgüter, Investitionsgüter und Konsumgüter – wurde im Juni mehr erzeugt als im Vormonat. Zu den stärksten Produktionssteigerungen kam es bei den Herstellern von Vorleistungs- und Investitionsgütern. Vergleichsweise gedämpft verlief die Entwicklung erneut bei den Konsumgüterproduzenten. Insgesamt beschleunigte sich das Produktions- wachstum gegenüber Mai von 59,2 auf 60,3 Zähler; die Rate blieb jedoch unter dem Rekordwert von April (67,0).

Sowohl Global Player als auch KMU verzeichneten im Juni erneut ein hohes Plus an Neuaufträgen. Die Orderbücher waren allerdings nicht mehr ganz so gut gefüllt wie zum Nachrezessions-Hoch im ersten Quartal dieses Jahres. Der entsprechende Index notierte mit 58,1 (59,6) auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2009 (55,9). Spürbar abgeschwächt hat sich auch die Exportnachfrage nach Industrieerzeugnissen „Made in Germany“.

Infolge der hohen Auslastung wurde die Einkaufsmenge fast genauso stark ausgeweitet wie im Vormonat. Zahlreiche Firmen steigerten ihre Einkaufsmenge jedoch auch, um sich gegen weitere Lieferverzögerungen zu wappnen. Die durchschnittlichen Lieferzeiten verlängerten sich im Berichtsmonat mit der zweitstärksten Rate seit Umfragebeginn im April 1996. Verantwortlich hierfür waren Liefer- und Kapazitätsengpässe auf Lieferanten- seite. Die starke Einkaufstätigkeit hatte zur Folge, dass die Bestände an Vormaterialien ein weiteres Mal moderat zulegten. Die Fertigwarenlager nahmen hingegen – nach der leichten Zunahme im Mai – wieder ab.

Dass die Einkaufspreise weiter stark stiegen (65,2 im Juni nach 71,6 im Mai), lag auch an der Verteuerung von Stahl. Gegenüber den drei Vormonaten schwächte sich der Preisauf- trieb allerdings ab. Die Verkaufspreise konnten hingegen kräftig angehoben werden (Juni: 55,7/Mai: 53,1), auch wegen der anhaltend hohen Nachfrage. Dies wirkte sich nicht zuletzt positiv auf die operativen Margen aus. Der dritte Beschäftigungsaufbau in Folge fiel mit 53,0 (Mai: 52,2) Punkten so stark aus wie seit zwei Jahren nicht mehr. Zurückzuführen war dies auf die höhere Kapazitätsauslastung und die gestiegenen Produktionsanforderungen.

Der „Markit/BME-Einkaufsmanager-Index“ (EMI) ist ein monatlicher Frühindikator zur Vorhersage der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Er wird von der britischen Forschungsgruppe Markit Economics, London, erstellt. Der Index beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (PMI).