Einkauf muss sich Herausforderungen stellen

Das 49. Symposium Einkauf und Logistik des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) ist in Berlin zu Ende gegangenen. Auf Europas größtem Einkäufer-gipfel diskutierten rund 2.000 Teilnehmer aktuelle und künftige Beschaffungsstrategien. In den Fachkonferenzen, Morning Specials, Workshops, Round-Table-Diskussionen und Innovationsforen wurde klar: Die Beschaffungsabteilungen deutscher Unternehmen stehen in den nächsten Jahren vor gewaltigen Herausforderungen.

„Globalisierung und Digitalisierung der Wirtschaft schreiten unaufhaltsam voran, volatiler werdende Märkte zwingen den Einkauf, sein Verhältnis zu den Lieferanten zu überdenken und noch enger mit ihnen zu kooperieren“, zog Prof. Robert Fieten, fachlicher Leiter des BME-Symposiums, zum Ende des Events ein erstes Fazit. Die demographische Ent-wicklung gewinne angesichts der knapper werdenden Fachkräfte auch für den Einkauf an Bedeutung. Darüber hinaus wandle sich das Berufsbild des Einkäufers. Nur auf die Kostenbremse zu drücken, reiche heute nicht mehr aus. Märkte müssten genauer gescannt, Wechselkurse im Auge behalten und Rohstoffpreise regelmäßig analysiert werden – auch und gerade in Zeiten scheinbar anhaltend niedriger Kurse und Notierungen.

„Intelligente Gestaltung des Global Footprint: Standortwettbewerb oder globaler Wert-schöpfungsverbund“ war am Freitagvormittag Thema einer Expertendiskussion. Dabei wies Dr. Andreas Bastin, Vorstandsvorsitzender der Masterflex SE, auf die globalen Unsicherheitsfaktoren hin. „Diese schlagen zwar noch nicht auf unser Geschäft durch, allerdings wächst die Verunsicherung“, sagte Bastin. „Trotz mancher Rückschläge ist die Weltwirtschaft auf gutem Weg“, so Dr. Thomas Uhlig, President Global Supply Chain Management der Trelleborg Sealing Solutions. Allerdings entwickelten sich einzelne Branchen unterschiedlich. Während es beispielsweise der Luftfahrt gut gehe, hätten Landwirtschaft und der Baumaschinensektor mit starker Konkurrenz aus Asien zu kämpfen. „Der zivile Luftverkehr wächst mit der Weltwirtschaft und hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt“, betonte Matthias Gramolla, Head of Group Procurement Strategy and Services der Airbus SAS. Laut Jan Henning Mehlfeldt weist der chinesische Automobilmarkt einen enormen Nachholbedarf auf: „Die Volksrepublik ist deshalb für uns der wichtigste Wachstumsmarkt. Dem tragen wir mit zehn Produktionswerken Rechnung“, so der Executive Vice President und Head of Group Purchasing der Webasto-Gruppe.

„Der Einkauf hat sich in den vergangenen Jahren professionalisiert. Er muss aber künftig noch stärker in der Mitte der Lieferkette stehen“, forderte Eva Wimmers, Senior Vice President Group Procurement der Deutschen Telekom und Aufsichtsratsmitglied der T-Systems International in ihrem Statement. Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher ging in seiner Rede zum Abschluss des diesjährigen BME-Symposiums auf das Verhältnis des Westens zu Russland ein: „Stabilität in Europa ist ohne Russland nicht zu erreichen“, sagte der ehemalige Vizekanzler. Er erinnerte daran, dass es während des Kalten Krieges möglich gewesen sei, das Steuer gemeinsam herumzureißen. Daher sollte der Westen den „guten Kooperationsweg mit dem Osten fortsetzen“.