Einkäufer nicht auf Augenhöhe

Einkäufer sind nach wie vor nicht auf Augenhöhe mit dem Top-Management. Nur knapp die Hälfte der Einkaufsleiter österreichischer Unternehmen hat ein akademisches Studium abgeschlossen. Bei strategischen Einkäufern ist die Quote noch geringer: Nur einer von fünf besitzt den Abschluss einer Hochschule. Und das, obwohl Einkauf und Supply-Chain-Management heute zu den wichtigsten Kostenhebeln von Unternehmen zählen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Personal- und Change-Management-Beratung Penning Consulting, der auf Einkauf und Supply-Chain-Management spezialisierten Beratung Kerkhoff Consulting und dem Forum Einkauf des Österreichischen Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeitszentrums (ÖPWZ). Befragt wurden österreichische Unternehmen großer, mittlerer und kleiner Größe.

„Starkes strategisches und unternehmerisches Denken korreliert heute eindeutig mit einer fundierten akademischen Ausbildung“, sagt Stephan Penning, Geschäftsführender Gesell-schafter von Penning Consulting. „Die massive Unterakademisierung im Einkaufsbereich ist bis heute ein entscheidender Faktor, warum diese wichtige strategische Disziplin nach wie vor nur selten auf Augenhöhe mit Vorstand und Top-Management kommunizieren kann.“

Geringe Akademisierung führt zu Distanz zum Top-Management
Die Unternehmen selbst haben die strategische Bedeutung längst erkannt und die Anfor-derungen an Einkäufer deutlich angehoben. Auch aufgrund des nach wie vor mangelhaften akademischen Angebots führt dies jedoch dazu, dass die Besetzungsdauer für Vakanzen im Einkaufsbereich bei über sechs Monaten liegt. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der be-fragten Unternehmen hat angegeben, dass es im Vergleich zu anderen Unternehmensbe-reichen „größere Probleme“ gebe, vakante Stellen adäquat zu besetzen.

„Universitäten und akademische Einrichtungen machen heute mehr, aber nicht ausreich-ende Angebote zur akademischen Qualifikation im Einkauf“, sagt Stephan Penning. „Das stellt Unternehmen aber nicht nur vor die Herausforderung, nach den wenigen top-qualifi-zierten Kandidaten für eine Neueinstellung zu fahnden. Daneben müssen sie insbesondre intern die bereits vorhandenen Talente ihrer Mitarbeiter entdecken und weiter entwickeln. Darum ist gerade im Bereich Einkauf der Aufbau eines professionellen Talent Manage-ments ein zentraler strategischer Baustein.“

Österreichische Unternehmen nutzen allerdings nur offensichtliche Maßnahmen, um ihre Einkäufer weiter zu bilden. Rund ein Drittel (36,3 Prozent) ermöglicht den Einkäufern die Teilnahme an öffentlichen Seminaren, ein Viertel (25,2 Prozent) hat Learning-on-the-Job-Maßnahmen initiiert und ein Fünftel (20,5 Prozent) hat interne Qualifizierungsmaßnahmen etabliert.

„Diese Maßnahmen sind ein guter Anfang,reichen aber bei weitem nicht aus“, sagt Penning. Mentoring-Programme, Netzwerkveranstalten, individuelles Coaching oder gar Job-Rotation werden so gut wie gar nicht genutzt.

Potenzial interner Weiterbildung wird nicht ausgeschöpft
Penning: „Keines der befragten Unternehmen hat ein strategisches und mehrdimensio-nales Talent-Management-Programm für die Identifikation der Talente, Fähigkeiten und Leistungsträger sowie ihre gezielte Förderung etabliert, bei der mehrere Bausteine ineinander greifen. Bei gleichzeitig viel zu geringer Akademikerquote führt diese Situation unweigerlich dazu, dass Einkäufer in ihrer Positionierung im Unternehmen nach wie vor von anderen Bereichen weit abgehängt sind und sie die Augenhöhe nicht erreichen – nicht zuletzt mit dem Top-Management. Die Zeche für diese Versäumnisse zahlen die Unter-nehmen selbst: Ihnen geht viel Geld durch Prozess- und direkte Einkaufkosten verloren, das sie an anderer Stelle investieren könnten.“

One Comment

  1. Kommentar: Man bekommt von den Hochschulen keine ausgebildeten Einkäufer. Eigene Nachwuchsarbeit, Talent-Mangement und Stipendien sind unumgänglich. Die geringe Akademisierung stammt noch aus der Historie, in der die Einkaufsabteilung nur die Bestellabteilung war. Seit nunmehr fast 2 Jahrzehnten ist der Strategische Einkauf bei vielen Unternehmen auf Augenhöhe mit den anderen Fachabteilungen und in den meisten Führungskreisen vertreten, da die Relevanz vom Management grösstenteils erkannt wurde. Gute Einkäufer und erfolgreiche Macher haben aber in der Beschaffung nichts mit der akademischen Ausbildung zu tun. Einkäufer sind ähnlich wie Verkäufer auf praxisnahe und erfahrene Talenterkenner und Talentförderer angewiesen. Eine zu akademische Herangehensweise bring im Einkauf keine Vorteile, hier sind praktische Ergebnisse sowie Einsparungen und nicht theoretische oder wissenschaftliche Ausarbeitungen gefordert. Gruß J. Dobmeier

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