E-Learning bringt den Einkäufer weiter

Beschaffer stehen täglich vor vielen Herausforderungen: unverhoffte Preissteigerungen bei Rohstoffen, globale Lieferkrisen, technische Spezifikationen bei Geometrie oder dem Material von Bauteilen. Um den Umgang mit diesen Problemstellungen zu trainieren, hat das Beratungsunternehmen Apunto SC ein Serious Game für Einkäufer entwickelt. Abgesehen davon, dass bei Fehlentscheidungen kein Geld verloren geht, werden die täglichen Herausforderungen realitätsnah abgebildet.

Geschult wird beispielsweise die klassische Alltagskompetenz eines jeden Büromitarbeiters: Prioritäten setzen. Es müssen E-Mails und SMS bearbeitet oder Videos beachtet werden. Dabei soll der Einkäufer Wesentliches von Nebensächlichem unterscheiden. 30 bis 40 Minuten dauert das Planspiel und es setzt den Spieler mächtig unter Druck, seinen virtuellen Vorgesetzten zufriedenzustellen. Dazu kommt, dass das Spiel bewusst nur auf Englisch verfügbar ist, um die Einkäufer sprachlich zu fordern. Der didaktische Clou dabei ist: Der Angestellte merkt beim Spielen des Games quasi gar nicht, dass er sich weiterbildet. „Lerninhalte, die mit Gamification-Elementen ergänzt sind, nimmt das Gehirn nicht als Lernen wahr“, sagt Christian Wachter vom E-Learning-Entwickler und -Anbieter IMC. So wird die digitale Bildung leichter aufgenommen als Fachliteratur in Buchform.

E-Learning hat sich etabliert und erweitert Jahr für Jahr seinen Anteil auf dem Bildungsmarkt. Vor allem Unternehmen profitieren von den neuen Lehr- und Lernmethoden. Klassische Fortbildungen, die zeit- und kostenintensiv sind, werden immer weniger benötigt. Nicht nur die Arbeitgeber profitieren, auch die Lernenden nehmen mehr mit von individuellen und didaktisch wertvollen web-basierten Trainings. Der Digitalverband Bitkom hat im Zuge einer Studie herausgefunden, dass knapp jeder zweite Deutsche bereits digitale Lernformen nutzt, um sich privat weiterzubilden. Diese Offenheit unterstützt den Einzug von digitalem Lernen im Beruf.

Längst haben sich Lernprogramme am Computer etabliert. Mobile Learning lautet nun das neue Stichwort. Smartphones ersetzen oder unterstützen heute den Rechner im Büro. Egal wo, man kann online und teilweise auch offline lernen. Besteht wieder eine Verbindung zum Internet, werden die Daten aktualisiert und die Lernschritte können fortgesetzt werden. Doch es gibt Dinge, die beim Mobile Learning zu beachten sind. Wer mit dem Smartphone lernt, tut dies oft in Leerzeiten und mit Unterbrechungen. Dies hat zur Konsequenz, dass der Umfang der einzelnen Lerneinheiten nicht zu mächtig sein darf. Genau an diesem Punkt setzt Micro Learning an, das insbesondere mit „Lernhäppchen“, sogenannten Learning Nuggets, arbeitet.

Der weltweit führende Baustoffhersteller Lafarge setzt das mehrfach ausgezeichnete Learning Management System der IMC AG ein, um seine Mitarbeiter über Beton und dessen Vorteile mit Blick auf Nachhaltigkeitsaspekte zu informieren. Vor allem für die strategischen Einkäufer von Lafarge ist es wichtig zu wissen, welches Material in Zukunft zu bestellen ist. Nur ein Beispiel, das zeigt, wie Mobile Learning im Einkauf funktionieren kann.

Die Tatsache, dass die Lernenden nun nicht mehr in Klassenzimmern zusammenkommen müssen, bedeutet jedoch nicht, dass nun kein Austausch mehr stattfinden kann. E-Learning-Programme jeglicher Form sind häufig mit einer Chat-Funktion verknüpft und ermöglichen die Kontaktaufnahme zu anderen Lernenden, um den sozialen Kontakt auch beim Einzeltraining nicht zu vernachlässigen.

Die Zukunft des Lernens wird sich digital weiterentwickeln und Augmented (AR) und Virtual Reality (VR) werden an Bedeutung gewinnen. Schon heute werden im Bereich des immersiven Lernens Bauteile visualisiert, Sonderausstattungen animiert und ganze Produktionsstraßen erlebbar. VR-Brillen sind hier nur ein Anfang.