Digitale Tools für die Transportlogistik

Trotz riesiger Potenziale zieht die Digitalisierung bisher weitestgehend an der Transportlogistik vorbei. Aktuell werden 99 Prozent aller Transportanfragen manuell bearbeitet. Wer eine Fracht versenden möchte, greift meist zum Telefon oder verschickt seine Transportanfrage per Mail an mehrere Speditionen. Was folgt, ist ein umständlicher Abstimmungsprozess, der wertvolle Zeit raubt und Ressourcen bindet. Dabei bieten digitale Transportportale Anwendern inzwischen die Möglichkeit, Anfragen IT-gestützt abzuwickeln, sodass alle Preise für den Frachtentransport gebündelt aufgeführt werden. Und zwar in Echtzeit. Instant Quoting, auch Realtime Quoting genannt, heißt die Technologie, in der Experten die Zukunft der Auftragsabwicklung in der Transportlogistik sehen.

Thomas Selbach, Geschäftsführer von CONLOXX, betreibt seit 2004 das Vergleichsportal für Transportlogistik GET-RATES und kennt die Vorurteile, die in der Branche gegenüber der Einführung digitalisierter Prozesse herrschen: „Gerade kleine und mittelständische Unternehmen glauben oft, dass hohe Investitionen nötig sind, um ihre IT-Infrastruktur für eine Auftragsabwicklung mit digitalen Tools vorzubereiten. Dabei ist die Anbindung an Systeme wie GET-RATES technisch kein Problem und die Kosten sind gering.“ Onlinesoftwarelösungen werden ganz einfach über Web-Schnittstellen direkt mit den operativen Systemen der Speditionen verbunden. Da die Lösungen cloudbasiert sind, müssen sie nicht auf den Betriebsrechnern installiert werden. Das spart Kosten. Außerdem können Anwender von überall und zu jeder Zeit auf die Web-Applikationen zugreifen. Thomas Selbach glaubt, dass sich Vergleichs- und Kommunikationsplattformen in der Transportlogistik durchsetzen werden, sobald die Entscheider sich näher mit der Technologie beschäftigen und die hohen Einsparpotenziale durch die Vereinfachung der Prozesse erkennen. Der Verzicht auf moderne Lösungen ist langfristig keine Option: „Wer sich den Veränderungen durch die Digitalisierung verschließt, wird früher oder später mit Wettbewerbsnachteilen rechnen müssen.“

Manuelle Abstimmung ist ineffizient
Bisher erfolgt das Tagespreismanagement der Versender und Speditionen auf Basis manueller Prozesse, die umständlich und ineffizient sind. So schickt ein Kunde seine Transportanfrage klassischerweise per Mail an einen Spediteur. Dabei weiß er oft nicht, ob dieser die Leistung überhaupt erbringen kann. Denn die Frachtführer bekommen viele Anfragen zu Leistungen, die sie mit ihrem Portfolio gar nicht abdecken. Hinzu kommt der hohe Aufwand, ein Angebot zu erstellen. Die Spediteure berechnen die Preise für jede einzelne Ausschreibung manuell, antworten auf unzählige Mails und telefonieren wegen fehlender Angaben nach, um korrekte Zahlen liefern zu können. „Oft kommen die Speditionen mit dem Abarbeiten der eingehenden Ausschreibungen kaum hinterher. Für beide Seiten bleibt bei diesem Prozess die Effizienz auf der Strecke“, betont Logistikexperte Thomas Selbach. Die Folge: Rund die Hälfte der Anfragen bleibt aufgrund unklarer oder unpassender Auftragskonditionen unbeantwortet.

Instant Quoting bietet Preise in Realtime
Vergleichsportale wie GET-RATES vereinfachen die Kommunikation zwischen Spediteur und Versender. Für maximal effiziente Prozesse kalkulieren sie die Preise mit Instant Quoting in Echtzeit. Dafür greifen sie direkt auf die Datenbanken der angebundenen Versanddienstleister zu und stellen die Ergebnisse übersichtlich und leicht vergleichbar dar.

Für Versender entfällt somit stundenlanges Warten auf Rückmeldungen – der Frachteneinkauf wird deutlich beschleunigt. Auch die Spediteure profitieren, denn Realtime-Quoting entlastet sie bei der Angebotserstellung und ermöglicht eine datentechnische Verarbeitung der Vorgänge. Für jede Ausschreibung fragt das System automatisch Angaben zum Abhol- und Zielort, zur Beförderungsart, zu den Lieferbedingungen sowie zur Beschaffenheit des Transportguts ab. Ein zeitintensives Nachrecherchieren fehlender Informationen entfällt. Speditionen können zudem Profile anlegen, in denen sie die von ihnen angebotenen Leistungen aufführen. Stellt nun ein Versender eine Anfrage, ermittelt die Software automatisch den passenden Dienstleister. Es werden nur die Speditionen angezeigt, die in der Lage sind, die gewünschte Fracht zu transportieren. Managementtools wie GET-RATES gehen noch einen Schritt weiter: Hier können Versender Favoritenkreise erstellen und so festlegen, wer eine Ausschreibung erhalten soll. Unternehmen können ihre Transportanfragen so auf Basis der hinterlegten Parameter passgenau steuern. Die Quote der Antworten auf eine Ausschreibung steigt dadurch auf 100 Prozent. „Ein System kann jedoch nur so gut arbeiten, wie es gepflegt wird“, weiß CONLOXX-Gründer Thomas Selbach: „Damit die Angebote sauber abgewickelt werden können, ist es notwendig, dass die Spediteure ihre Datenbanken pflegen.“

Die Zukunft heißt Direct Payment
Thomas Selbach sieht Instant Quoting nur als erste Etappe auf dem Weg zu einer vollständigen digitalen Abwicklung von Transportaufträgen – von der Anfrage bis zur Bezahlung. „Der nächste logische Schritt sind E-Payment-Lösungen, bei denen der Spediteur automatisch sein Geld erhält, nachdem er den Ablieferbeleg digital hinterlegt hat. Damit entfallen ärgerliche Zahlungsverzögerungen, wie es häufig bei Rechnungen mit 30 Tagen Zahlungsziel vorkommt, und auch der Verwaltungsaufwand in der Buchhaltung kann minimiert werden.“ Als Zahlungsmittel kommen dabei neben den Business-Accounts von Paypal auch die Hausbanken der Unternehmen infrage. So bieten sowohl der Sparkassenverband Deutschland als auch die Volks- und Raiffeisenbanken Möglichkeiten für die Anbindung an E-Payment an. Auch GET-RATES verfügt bereits jetzt über die technischen Voraussetzungen für E-Payment. Trotzdem glaubt Selbach, dass es noch dauern wird, bis diese Möglichkeit flächendeckend genutzt wird: „Zunächst müssen die Mauern in den Köpfen eingerissen werden und die Branche muss sich umfassend für digitalisierte Prozesse wie Realtime-Quoting öffnen.“ Für den Digitalisierungsfachmann steht aber fest, dass die Technik in wenigen Jahren Standard in der Transportlogistik sein wird.

Bild: Preisangaben in Echtzeit: Mit Instant Quoting lassen sich Transportanfragen in Echtzeit managen; Foto: MNBB Studio Shutterstock.com

6 Comments

  1. Als Transportunternehmen kommt man einfach auch nicht an der digitalisierung vorbei. Es ist unmöglich sich dem Fortschritt zu verschließen. Vor allem, wenn es darum geht, dass für Fahrer kürzere Strecken gefunden werden. Ich gebe meinen Leuten mittlerweile GPS Geräte mit, damit sie möglichst schnell zu ihrem Ziel gelangen und wir so Geld sparen und uns gegen die großen Konkurrenten behaupten können. Das ist nicht immer leicht.

  2. Interessant, das man mit Realtime Quoting in der Zukunft die Abwicklung von internationalen Transporten verbessern könnte. Mein Onkel arbeitet auch in der Logistikbranche. Er sagt der immer größer werdende Einsatz von digitalen Technologien hat ihm seine Arbeit bereits erleichtert.

  3. Vielen Dank für einen interessanten Beitrag zur Digitalisierung in der Transportlogistik. Interessant, dass GET-RATES bereits jetzt über die technischen Voraussetzungen für E-Payment verfügt. Hoffentlich kann diese Möglichkeit sehr bald genutzt werden. Das könnte eine wesentliche Verbesserung für unser Unternehmen sein.

  4. Mein Bekannter arbeitet seit Jahren in einem Transportunternehmen. Er bestätigt nur, dass die Transportanfragen immer noch manuell bearbeitet werden. Die Digitalisierung könnte den Prozess bedeutend beschleunigen. Das wird allen viel Zeit ersparen.

  5. Erstaunlich, dass noch 99 % aller Transportanfragen in der Transportlogistik manuell bearbeitet sind. Die Transportlogistik hat ein großes Potenzial, das durch Technologie und Digitalisierung erreicht werden kann. Ich frage mich noch, wieso diese Revolution noch wartet. Ich bin gespannt zu sehen, wie es weiter geht. Danke für den Beitrag!

  6. Heutzutage ist Effizienz sehr wichtig, vor allem wenn es um Dienstleistungen geht. Ich finde dass Real Time-Quoting dafür sorgt, dass Prozesse wesentlich schneller ablaufen, aber auch dem Kunden hilft eine schnelle Entscheidung zu treffen. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld!

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