Dienstleistungsbranche insgesamt stabil

Das Analystenhaus techconsult hat den 5. Bericht Business Performance Index (BPI) Mittelstand Dienstleistung vorgelegt. Danach hält sich die Dienstleistungsbranche mit 66,2 BPI-Punkten in etwa auf dem Vorjahresniveau, was ein leichtes Minus von 0,5 BPI-Punkten darstellt (-0,9 Prozent). Auch die übrigen von der Studie ermittelten Indizes bestätigen dieses Bild: Der Indikator für den IT-Unterstützungsgrad liegt mit 64,6 Punkten auf dem Vorjahres-niveau (-0,7 Prozent zu 2014), ebenso wie der Indikator für das Prozessergebnis (68,3 Punkte; +0,6 Prozent zu 2014). Einzig der Indikator für den Reifegrad innovativer IT-Lösungen verliert mit -1,4 Punkten (-2,1 Prozent) leicht deutlicher gegenüber dem Vorjahr und liegt damit 2015 bei 63,7 von 100 möglichen Punkten. Dabei ist mit Blick auf die sieben unter-suchten Dienstleistungsbranchen – Gastgewerbe, Transport und Logistik, Immobilien, IT-Dienstleister, Forschung und Entwicklung, Unternehmensberatungen/Agenturen, technische Planung und Beratung – sowie die 11 in diesen Branchen untersuchten Unternehmens-bereiche festzustellen, dass hinter den geringen Veränderungen im Durchschnitt zum Teil deutlichere Veränderungen auf Branchen- und Bereichsebene liegen, die sich gegeneinander aufwiegen.

Performance auf Unternehmensbereichsebene
Im Gesamtdurchschnitt der Dienstleistungsbranche lassen sich auf Unternehmensbereichs-ebene keine deutlichen Performance-Gewinne feststellen. Eher fällt die Produkt- und Service-entwicklung negativ auf: Sie verliert abermals sehr deutlich und ist weiterhin schwächster Bereich der 11 untersuchten Unternehmensbereiche. Über alle Branchen gesehen am stärksten ist der Bereich IT-Organisation, wobei gegenüber 2014 ein leichtes Minus von rund einem Prozent zu verzeichnen ist. Performance-Spitzenreiter nach Subbranchen sind die Unternehmen der Forschung und Entwicklung, die im Unternehmensbereich IT-Organisation 77,4 von 100 möglichen BPI-Punkten erreichen. Die Bereiche Produkt-/Serviceentwicklung sowie Lieferantenmanagement/Leistungsbezug verlieren hingegen gegenüber dem Vorjahr deutlich, insbesondere Transport und Logistik sowie Immobilien und IT-Dienstleister verzeichnen hier Verluste von mehr als 10 Prozent im Vergleich zu 2014.

Immobilienbranche als klare Langzeitgewinnerin
Die Dienstleiter der Immobilienbranche arbeiten weiterhin an den Prozessen und können ihre Performance deutlich steigern. Die Branche weist damit eine kontinuierliche jährliche Leistungssteigerung seit 2012 auf. Dies ist umso erfreulicher, weil trotz der guten wirtschaft-lichen Lage die Prozessqualität nicht vernachlässigt wird. „Regelmäßig können wir im BPI feststellen, dass eine gute wirtschaftliche Lage einer Branche mitunter dazu führt, dass die Prozessperformance sinkt, weil die Zeit für Optimierungen fehlt oder man sich keine Zeit für diese nimmt. Insofern sind die Performancegewinne der Immobilienbranche sehr hoch einzuschätzen, weil offensichtlich sehr nachhaltig an der Prozessqualität gearbeitet wird und dies auch unabhängig von äußeren Einflussfaktoren nicht aus den Augen verloren wird, wie einer aktuell guten Nachfragesituation oder den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie den günstigen Krediten durch niedrige Zinsen“, kommentiert Peter Burghardt, Geschäftsführer der techconsult das Ergebnis. Einzig beim Prozess Lieferantenmanagement/Leistungsbezug muss die Immobilienbranche einen sehr deutlichen Rückgang von rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbuchen.

Forschung und Entwicklung rollt das Feld von hinten auf
Unternehmen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung verzeichnen ein deutliches Plus und verlassen damit im Subbranchenvergleich der Dienstleistung erstmals die hinteren Plätze und schieben sich auf den zweiten Rang. Die Leistungssteigerung resultiert aus deutlichen Gewinnen bei der IT-Organisation und der Serviceerbringung, Steigerungen in Personal-wesen, Logistik/Disposition/Fuhrpark und im Lieferantenmanagement/Leistungsbezug sowie einem leichten Performancezuwachs bei der Produkt-/Serviceentwicklung. Lediglich in den Bereichen Vertrieb/Marketing und Finanzen/Controlling weist die Forschung und Entwicklung in diesem Jahr Rückgänge auf.

Auf und Ab in der Transport- und Logistikbranche
Transport und Logistik, vormals die stärkste Branche im Subbranchenvergleich, verliert mit -6,1 Prozent am stärksten, liegt mit 66 BPI-Punkten jedoch noch im Durchschnitt der Dienstleistungsbranche. Der letztjährige Performance-Gewinn von rund 5 BPI-Punkten kann somit nicht gehalten werden. Damit setzt sich das Auf und Ab der Vorjahre fort. Die erzielten Verbesserungen der Prozesse waren somit offensichtlich nicht langfristig genug angelegt. Stabil bleibt das Ergebnis einzig im Bereich Logistik/Disposition/Fuhrpark. Leichte bis mittlere Verluste müssen die Spediteure dagegen in Lagermanagement und bei Finanzen/Controlling hinnehmen. Deutlich fallen hingegen die Rückgänge in Vertrieb/Marketing, Lieferanten-management/Leistungsbezug, Personalwesen sowie sehr deutlich im Bereich IT-Organisation und Produkt-/Serviceentwicklung aus.

IT-Dienstleister insgesamt auf Vorjahresniveau
Die IT-Dienstleister halten sich konstant im Mittelfeld und weisen einen leichten Performance-Gewinn um einen Punkt auf. Ein deutliches Plus können sie dabei in der eigenen IT-Organi-sation verzeichnen, ferner auch einen leichten Zuwachs bei der Produkt- und Serviceent-wicklung. Demgegenüber stehen allerdings ein sehr deutlicher Verlust an Prozessper-formance im Bereich des Lieferantenmanagements/Leistungsbezugs sowie ein deutlicher Rückgang bei Logistik/Disposition/Fuhrpark und Finanzen/Controlling. Weiterhin sind leichte bis mittlere Rückgänge in den Unternehmensbereichen Vertrieb/Marketing und Personal-wesen und Serviceerbringung zu verzeichnen.

Performance-Sinkflug der technischen Planung und Beratung hält an
Die diesjährigen Ergebnisse der technischen Planung und Beratung zeigen einen deutlichen Rückgang bei der Gesamtperformance (-6 Prozent). Alle Unternehmensbereiche sind von diesen Verlusten gezeichnet, die sich in einem Bereich von -3 bis -14 Prozent bewegen. Allen voran ist ein sehr deutlicher Rückgang mit -14 Prozent im Vertrieb/Marketing festzustellen. Weiterhin sind deutliche Verluste in den Bereichen Finanzen/Controlling (-9 Prozent), IT-Organisation (-7 Prozent), Lieferantenmanagement/Leistungsbezug (-6 Prozent) und Produkt/Serviceentwicklung (-6 Prozent) zu verbuchen.

Unternehmensberatungen und Agenturen weiterhin Schlusslicht der Dienstleistung
Nachdem im Jahr 2013 das Feld enger zusammenrückte und dadurch auch die Unter-nehmensberatung/Agenturen zum Mittelfeld der Dienstleistungsbranche aufschließen konnten, bildeten sie 2014 und 2015 wieder das Schlusslicht im Subbranchenvergleich. Dabei konnten sie zwar Steigerungen in Finanzen/Controlling (+4 Prozent) sowie in Vertrieb/ Marketing (+3 Prozent) verbuchen, verzeichneten jedoch gleichzeitig Rückgänge von 2 bis 5 Prozent bei Produkt-/Serviceentwicklung, Lieferantenmanagement/Leistungsbezug und IT-Organisation. Noch deutlicher fielen die Performanceverluste im Bereich Personalwesen (-7 Prozent) sowie im Bereich Serviceerbringung (-10 Prozent) aus.

Performance-Talsohle im Gastgewerbe durchschritten und Trendwende eingeläutet?
Das Gastgewerbe verzeichnet erstmals in den zurückliegenden fünf Studienjahren eine Leistungssteigerung. Diese geht vor allem auf die Unternehmensbereiche Finanzen/ Controlling, Personal und IT-Organisation zurück, die die Prozessperformance gegenüber 2014 um 7 bis 10 Prozent verbessern konnten. Die Verbesserungen in den Unternehmens-bereichen überwiegen dabei deutlich, allein die Bereiche Objektbetrieb- und Verwaltung sowie die Serviceerbringung weisen mit jeweils -5 Prozent Performancerückgänge auf. Nachdem die Spitzenperformance zu Studienbeginn durch die jährlich rückläufige Prozessausführung zuletzt bis unter Durchschnittsniveau der Dienstleistungsbranche gesunken ist, könnte dies somit die Trendwende im Gastgewerbe darstellen.