Deutsche Wirtschaft vor kräftigem Wachstum

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert. Angesichts der bislang weitgehend wie prognostiziert eingetretenen Entwicklung sowie annähernd unveränderter Rahmenbedingungen wird für 2015 weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 % und für 2016 von rund 1,75 % gerechnet. Zwar hat die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft nach einem kräftigen Zuwachs im vierten Quartal 2014 (+0,7 %) zu Beginn des Jahres etwas an Fahrt verloren (+0,3 %), im Laufe des Jahres sollte das Bruttoinlandsprodukt mit anziehender Weltkonjunktur dennoch wieder kräftiger zulegen.

Erneut wurde das Wachstum im ersten Quartal 2015 ausschließlich von der Binnenkonjunktur getragen. Positive Impulse lieferten vor allem der private und staatliche Konsum. Aber auch die Investitionen trugen zum Wachstum bei; so sind die Investitionen in Bauten und Aus-rüstungen deutlich gestiegen. Gedämpft wurde das Wachstum vom Außenhandel und dem Abbau von Lagerbeständen. Zwar wuchsen die Exporte mit einer Rate von 0,8 % im Vergleich zum Vorquartal recht deutlich, die Importe wuchsen mit 1,5 % allerdings doppelt so stark, so dass der Außenbeitrag mit -0,2 % insgesamt einen negativen Wachstumsimpuls lieferte. Die Preisdynamik ist seit Februar wieder aufwärtsgerichtet, mit 0,7 % lag die Inflationsrate im Mai aber immer noch deutlich unter der 2%-Stabilitätsmarke. Der Beschäftigungsaufbau verlang-samte sich zu Beginn des Jahres spürbar; mit Einführung des Mindestlohnes waren Rück-gänge vor allem bei der Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten zu verzeichnen. Dennoch verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen in den ersten Monaten des Jahres stetig.
Frühindikatoren wie der ZEW Indikator und der ifo Geschäftsklimaindex haben nach mehreren positiven Monaten in Folge zuletzt enttäuscht und auch die Weltwirtschaft hat in den vergang-enen Wochen etwas an Dynamik verloren. So hat sich der Aufschwung in den USA und in Großbritannien zuletzt deutlich verlangsamt und die Schwellenländer weisen im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren ein geringeres Wachstum auf.

„Die Weltkonjunktur steht immer noch unter dem Eindruck der Krisenfolgen und der Krisen-politik, so dass sich angesichts der Unsicherheit an den Märkten noch kein selbsttragender Aufschwung abzeichnet. Dennoch hat sich die Konjunktur im Euroraum spürbar belebt und auch das schwächere erste Quartal in den USA hat temporäre Ursachen“, sagt Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor des HWWI. Insgesamt dürfte sich die Weltwirtschaft im Prognose-zeitraum weiter beleben; niedrige Ölpreise stützen weltweit die Konjunktur und die Export-wirtschaft der Eurozone profitiert von der Abwertung des Euro.

Im Prognosezeitraum wird die Binnenwirtschaft wichtigste Wachstumsstütze bleiben. Das stetige Beschäftigungswachstum, der geringe Preisdruck und das niedrige Zinsniveau führen weiterhin zu einem deutlichen Anstieg der Konsumausgaben bei den privaten Haushalten. Gleichzeitig wirken sich die niedrigen Energiepreise und der gesunkenen Außenwert des Euros positiv auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus. „Der Aufwärtstrend am Arbeits-markt sollte im Prognosezeitraum mit leicht verringertem Tempo anhalten. Der deutsche Arbeitsmarkt profitiert auch zukünftig von der kräftigen Nettozuwanderung und der erhöhten Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Beschäftigten. Steigende Löhne und die Rente mit 63 dämpfen diese Entwicklung allerdings“, sagt Dr. Anja Rossen, Konjunkturexpertin am HWWI.

Für eine weiterhin positive Entwicklung der Investitionstätigkeit sprechen die nach wie vor günstigen Finanzierungsbedingungen und der bestehende Nachholbedarf. Nichtsdestotrotz könnte eine unerwartet schwache Entwicklung der Weltwirtschaft beziehungsweise eine erneute Vertrauenskrise im Euroraum die Unsicherheit der Unternehmen wieder erhöhen, so dass sich der angelegte Investitionsaufschwung weiter verzögert. Die Exporttätigkeit Deutschlands sollte mit Belebung der Weltwirtschaft und des Euroraums kräftig wachsen, so dass der Außenbeitrag im nächsten Jahr wieder positiv zum Wachstum beitragen wird. Das Staatskonto sollte im Prognosezeitraum leicht positiv bleiben. Mehrausgaben aufgrund steigender Sozialleistungen (Rentenanpassungen, Erhöhung der Bruttolöhne und -gehälter) und staatlicher Investitionen stehen steigenden Steuereinnahmen, erhöhten Einnahmen aufgrund der Einführung der Pkw-Maut ab 2016 sowie geringere Ausgaben für den Schulden-dienst, gegenüber.

Das größte Risiko für diese Prognose besteht weiterhin in der Entwicklung des Euroraums. Hierbei spielt vor allem die Entwicklung in Griechenland eine Rolle. So stehen im Juni die nächsten Rückzahlungen Griechenlands an den IWF von rund 1,5 Mrd. Euro an. Sollte Griechenland diese Gelder nicht zurückzahlen können, werden sich die Spekulationen bezüglich eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Währungsunion abermals erhöhen und die Unsicherheit auf den Märkten steigen. Weiterhin geht von den volatilen Finanz- und Devisenmärkten und möglichen Korrekturen Unsicherheit aus.