Der Einkauf: Treiber von Industrie 4.0?

Welchen Stellenwert nimmt der Einkauf im Unternehmen ein und wie wird das Beschaffungs-wesen der Zukunft aussehen? Ist der Einkäufer sogar Treiber von Industrie 4.0? Der B2B-Marktplatz „Wer liefert was“ hat Einkäufer zu ihren Aufgabenbereichen und aktuellen Trends befragt. Die Ergebnisse zeigen den deutlichen Einfluss der Digitalisierung auf den Beschaffungsprozess und die zunehmende Einbindung des Einkäufers in die Unternehmens-strategie – um Wettbewerbsfähigkeit, Qualität und Unternehmenserfolg dauerhaft zu gewährleisten.

Berufsbild des Einkäufers ändert sich – Herausforderungen durch Digitalisierung
In Zeiten voranschreitender Digitaltechnologie, können operative Einkaufsprozesse heute nahezu komplett digitalisiert werden und der Einkäufer übernimmt als Prozess-Manager eine deutlich strategischere Funktion. Das spiegelt auch das Empfinden von 42 Prozent der Befragten wider, die angeben, ihre Beschaffungstätigkeit sei rückblickend deutlich strategischer geworden. Gleichzeitig sind 38 Prozent der Meinung, der Arbeitsbereich sei digitaler geworden. Nur 16 Prozent der Befragten nehmen ihren Aufgabenbereich heute als operativer wahr als in der Vergangenheit. Die Zahlen zeigen, Digitalisierung ist keine Vorhersage mehr sondern Realität.

Schmid, CEO von „Wer liefert was“. „Wir befinden uns mitten in der größten Veränderung seit der industriellen Revolution. Das Ergebnis zeigt, dass der deutsche Mittelstand nicht still steht – und das ist gut. Im Gegenteil: Der strategische Ansatz in Kombination mit dem Digitalen ist der richtige Weg.“

Darüber hinaus haben 33 Prozent der Befragten auch angegeben, dass der Aufgabenbereich mehr Schnittstellenarbeit zu anderen Bereichen erfordert. „Auch darin zeigt sich, dass die notwendige Integration moderner Prozesse in den Unternehmen auf die Agenda gesetzt wurde“, so Schmid weiter.

Einkauf: Treiber oder Unbeteiligter für die Entwicklung von Industrie 4.0-Lösungen?
Wenn es jedoch um die Rolle des Einkaufs bei der Strategieentwicklung von Industrie 4.0-Lösungen geht, bilden sich zwei interessante Fronten: 23 Prozent der Befragten geben an, dass der Unternehmensbereich Beschaffung aktiv an der Gestaltung solcher Lösungen mitwirkt, 14 Prozent behaupten sogar, der Einkauf sei hier der wichtigste Treiber. Auf der anderen Seite geben 22 Prozent an, das ihr Unternehmen keine Strategien hinsichtlich Industrie 4.0 entwickelt. „Es ist wichtig und sinnvoll, den Einkauf in den Strategieprozess bezüglich der Digitalisierung des Unternehmens mit einzubeziehen“, so Schmid. „Die Beschaffung hat in der Regel einen sehr genauen Marktüberblick und weiß welche Kosten entstehen. Dass mehr als ein Fünftel der befragten Unternehmen keine Strategie für den aktuellen Umbruch entwickelt, ist der Begrifflichkeit geschuldet. Der Begriff Industrie 4.0 ist zu kurz gedacht.“ Der Einzel- und Großhandel als Beispiel (14 Prozent der Umfrageteilnehmer sind Einkäufer aus dem Einzel- und Großhandel), hätten weniger mit Industrie 4.0 Lösungen zu tun, klärt Schmid auf. Dennoch würden sich durch die Integration digitaler Prozesse, wie zum Beispiel in der Logistik, deutliche Vorteile herausstellen. So spricht Peter F. Schmid von der Digitalisierung im Allgemeinen, da sie jeden einzelnen Bereich eines Unternehmens betrifft.

„Entscheidend wird sein, wie es die Unternehmen des deutschen Mittelstands schaffen, die Möglichkeiten der Digitalisierung für sich selbst zu nutzen und dadurch die eigenen Märkte zu vergrößern.“ Für 15 Prozent spielt der Einkauf im Zusammenhang mit Industrie 4.0 nur eine untergeordnete Rolle.

Wohin geht die Reise – ist der operative Einkäufer ein Auslaufmodell?
Werfen die Befragten einen Blick in die Zukunft, glaubt mehr als jeder zweite Einkäufer (57 Prozent), dass gerade strategische Partnerschaften mit Lieferanten zunehmend an Bedeutung gewinnen werden. Gleichzeitig gehen 28 Prozent davon aus, dass der persönliche Kontakt zu Lieferanten durch die Digitalisierung abnehmen wird. Schließlich können operative Einkaufsprozesse heute nahezu komplett mithilfe neuer Technologien und eLösungen abgewickelt werden. Da drängt sich die Frage auf, ob die Position des Einkäufers im operativen Geschäft in deutschen KMU ein Auslaufmodell ist? Dieser Meinung sind 15 Prozent der Befragten – und geben an, dass die Digitalisierung den rein operativ tätigen Einkäufer langfristig überflüssig machen wird. „Die Digitalisierung führt in einigen Bereichen dazu, dass der persönliche Kontakt weniger wird“, sagt auch Peter F. Schmid. „Ich teile die Meinung der Einkäufer, dass strategische Partnerschaften mit Lieferanten in Zukunft eine stärkere Rolle spielen. Denn die Digitalisierung treibt auch die Netzwerkbildung zwischen den Unternehmen immens voran und macht sie effizienter.“

Einkäufer wird zum Schnittstellenmanager
Aufgrund des strukturellen Wandels im Beschaffungswesen ändert sich auch das Berufsbild des zukünftigen Einkäufers grundlegend. Er wird zum strategischen Schnittstellenmanager. Für 43 Prozent der Befragten muss der Einkauf-Nachwuchs daher zunehmend digitaler und internationaler qualifiziert sein. Gleichzeitig sehen immer mehr Einkäufer das Internet als enorme Chance für den Bereich Beschaffung. Knapp jeder Vierte (24 Prozent) ist sich sicher: Business-Suchmaschinen werden die wichtigsten Recherchetools des Beschaffungswesens.