China ist jetzt größtes Lieferland

Die deutschen Einfuhren sind im ersten Halbjahr 2010 um 15,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Sie beliefen sich auf 383,6 Milliarden Euro. Preisbereinigt erhöhte sich die Einfuhr um 13,6 Prozent. Die Eingänge aus der Europäischen Union stiegen um 11,7 Prozent auf 218,2 Milliarden Euro, aus den Ländern außerhalb der EU wurden Waren im Wert von insgesamt 165,4 Milliarden Euro bezogen (+19,7%).

Im Handel mit EU-Partnern steigerten sich die Warenbezüge vor allem aus Schweden (+23,3% auf 6,3 Milliarden Euro), Polen (+22,3% auf 13,5 Milliarden Euro) und aus den Niederlanden (+16,5% auf 33,2 Milliarden Euro). Im Handel mit Drittländern konnte Russland im ersten Halbjahr 2010 mit einem Zuwachs von 38,3 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro deutlich mehr Waren im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009 in Deutschland absetzen. China avancierte mit einem Anstieg seiner Lieferungen von 35,6 Prozent auf 34,6 Milliarden Euro zum inzwischen größten Lieferland Deutschlands vor den Niederlanden.

Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) stiegen die deutschen Ausfuhren von Januar bis Juni 2010 gegenüber der Vorjahresperiode um insgesamt 17,1 Prozent auf 458,3 Milliarden Euro. Preisbereinigt stiegen die Ausfuhren um 16,6 Prozent.

Die Versendungen in die EU-Mitgliedsländer erhöhten sich nominal um 12,0 Prozent auf 279,8 Milliarden Euro und verzeichneten damit einen geringeren Anstieg als die deutschen Gesamtausfuhren. In die Eurozone wurden Waren für insgesamt 191,3 Milliarden Euro (+10,9%) geliefert, in die nicht zur Eurozone zählenden EU-Länder Waren für 88,5 Milliarden Euro (+14,4%). Im ersten Halbjahr 2010 haben innerhalb der EU vor allem die Ausfuhren nach Portugal (+26,5%) und Schweden (+25,1%) wieder stark zugenommen, während die Lieferungen nach Griechenland (-12,7%) und Dänemark(-1,7%) zurückgegangen sind.

Die deutschen Exporte in Länder außerhalb der EU (“Drittländer”) stiegen um 26,2 Prozent auf 178,5 Milliarden Euro und erhöhten sich damit deutlich stärker als die Gesamtausfuhren. Besonders hohe Zuwächse betrafen unter anderem die Lieferungen nach Brasilien (+61,3% auf 5,0 Milliarden Euro), nach China (+55,5% auf 25,2 Milliarden Euro) und in die Türkei (+38,8% auf 7,3 Milliarden Euro). Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten nahmen im Vergleich dazu nur um 14,1 Prozent auf 30,8 Milliarden Euro zu. Unterdurchschnittliche Exportzuwächse verzeichnete auch der Handel mit der Schweiz (+17,2% auf 20,0 Milliarden Euro) sowie mit Russland (+18,3% auf 11,4 Milliarden Euro). Die Ausfuhren nach Japan konnten um 24,3% auf 6,3 Milliarden Euro gesteigert werden.

Der BGA (Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V.) spricht davon, dass der Chinahandel geradezu “explodiert” sei. “Der deutsche Außenhandel hat im ersten Halbjahr 2010 eine atemberaubende Aufholjagd gestartet. Eindeutige Wachstumstreiber bleiben die Schwellenländer, allen voran China und Brasilien. Aber auch der Außenhandel mit den europäischen Ländern zeigt wieder deutliche Anzeichen einer Belebung. Davon, dass wir uns in eine einseitige Abhängigkeit von China begeben würden, kann keine Rede sein. Mit einem Anteil von 5,5 Prozent an den deutschen Ausfuhren liegt das Reich der Mitte absolut gesehen immer noch deutlich hinter Frankreich, den Niederlanden, den USA, Großbritannien oder auch Italien. Was China jedoch derzeit so wichtig macht, ist die Dynamik des Wachstums: Mit einem Anstieg um über 50 Prozent im ersten Halbjahr ist die chinesische Nachfrage die dringend benötigte Adrenalinspritze für die deutsche Konjunktur. Insbesondere die in der Krise schwer gebeutelten Branchen Maschinenbau und Kfz-Industrie profitieren davon”, sagte Anton F. Börner, Präsident des BGA.

“Obwohl wir derzeit besser dastehen als unsere Nachbarn schauen wir nur verhalten optimistisch ins vierte Quartal und ins nächste Jahr 2011. Die Ursache dafür liegt in den Risiken aus den ungelösten Schulden- und Währungsproblemen. Die Krise schwelt weiter. Durch die Rettungsaktionen der EU wurde bislang nur Zeit gekauft. Es gibt berechtigte Zweifel am ernsthaften Sparwillen insbesondere der südeuropäischen Länder. Das Managen der Schuldenkrise und der Abbau der Staatsdefizite sind der einzige Schlüssel für einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Hier sind die wirtschaftlichen Eliten gefordert, dies der Bevölkerung in Europa klarzumachen”, so Börner.