2.100 Einkäufer diskutierten in Berlin

Die deutschen Unternehmen haben die Rezession endgültig hinter sich gelassen. Auch die Einkäufer sind gestärkt aus der Finanz- und Wirtschaftskrise hervorgegangen. Der nachhaltige konjunkturelle Aufschwung sorgt in fast allen Branchen für volle Auftragsbücher. Industrielle Beschaffer sind gut beraten, die Rohstoffpreise angesichts immer volatiler werdender Märkte regelmäßig zu beobachten. Das ist das Fazit des 45. BME-Symposiums „Einkauf und Logistik“, das am Freitag in Berlin zu Ende gegangen ist. 2.100 Teilnehmer und damit 200 mehr als 2009 nahmen an der dreitägigen Informationsveranstaltung im Hotel Intercontinental teil.

„Die wirtschaftliche Großwetterlage lässt unsere Einkäufer optimistisch ins nächste Jahr blicken. Das bestätigt auch unser Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI)“, betonte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Dr. Holger Hildebrandt. Der konjunkturelle Frühindikator sei im Oktober um 1,5 Zähler auf aktuelle 56,6 Punkte geklettert. Fast alle wichtigen Industriebranchen schrieben wieder schwarze Zahlen. Die Auftragsbücher der Unternehmen seien gut gefüllt.

„Eine reibungslos funktionierende Supply Chain hat für unser Unternehmen oberste Priorität. 80 Prozent der Wertschöpfung findet hier statt“, sagte Keynote Speaker Dr. Herbert Diess, Vorstandsmitglied Einkauf und Lieferantennetzwerk der BMW AG, auf dem Eröffnungsplenum. Gleichzeitig kämen mehr als drei Viertel der Innovationen aus der Lieferkette. Mit Blick auf die kommenden Jahre sei das schnelle Erschließen neuer Technologien die größte Herausforderung für die Supply Chain. Treiber dieser Entwicklung ist die Elektromobilität, fügte Diess hinzu.

Stahlpreise

2011 dürften die Stahlpreise wieder anziehen, nachdem sie noch vor zwei Jahren auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise dramatisch eingebrochen waren. „Wir hoffen allerdings auf eine moderate Steigerung ohne Bedrohungszenarien im Markt“, so Ulrich Becker, Vorstandsmitglied (COO) der Klöckner & Co SE. Seiner Meinung nach werde sich der Druck auf langfristig fixierte Stahlkontrakte angesichts immer volatilerer Rohstoffmärkte weiter verstärken. Daher nehme die Bedeutung dieser Vertragsform ab. Stahlhersteller und Distributeure müssten sich auf ein stark spekulatives Einkaufs-/Lagerverhalten bei Rohstoffen einstellen.

Lieferantenmanagement

„Die strategische Unterstützung der mit uns kooperierenden Unternehmen sowie die strikte Einhaltung sowie die strikte Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien ist für uns der Schlüssel zum geschäftlichen Erfolg“, sagte Nancy Alpay, Vice President and CPO der SAP AG, auf dem Abschlussplenum. Die Top-Managerin nannte aktuelle Beschaffungstrends, die für den international tätigen Software-Herstellers von entscheidender Bedeutung sind. Dazu zählten Kosteneinsparungen entlang der gesamten Supply Chain, Good Governance sowie „Value and Innovation“. SAP betreibe ein aktives Lieferantenmanagement. „Partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe und fairer Umgang, insbesondere bei Vertragsverhandlungen, sind für uns das A und O“, betonte Alpay. Der Konzern beschäftigt weltweit 47.000 Mitarbeiter und setzt jährlich 10,7 Milliarden Euro um, allein 2,02 Milliarden Euro in Deutschland.

Demografische Entwicklung

Einen Blick in die demografische Zukunft gewährte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, am Freitag auf dem Abschlussplenum. Danach werde die deutsche Bevökerung in den nächsten Jahrzehnten nicht nur dramatisch schrumpfen – von 82 Millionen Ende 2009 auf rund 70 Millionen 2060 –, sondern auch deutlich älter. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seien schon heute gefordert, auf diesen Trend zu reagieren, so Egeler weiter. Die Zahl der Erwerbstätigen werde bereits bis 2020 spürbar sinken, danach noch deutlicher abnehmen. Deutschland erlebe seit den späten 50er-Jahren eine mehr oder weniger stark wachsende Zuwanderung. Diese Tendenz werde sich auch in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen, weil das Beschäftigtenpotenzial in Deutschland kontinuierlich sinke. Mit Blick auf die demografische Entwicklung in Europa informierte Egeler, dass die Bevölkerung in Ländern wie Spanien, Frankreich oder Großbritannien bis 2060 weiter zulegen wird. Dies werde politische und ökonomische Auswirkungen, auch auf den Standort Deutschland haben.

BME-Innovationspreis

Wie Bedarfsträger weltweit und methodisch sicher vom „Shopping“ – also dem unmethodischen Beschaffen – zum strukturierten elektronischen Sourcing geführt werden und damit eine weltweite Spend-Absicherung realisieren, hat die Schott AG unter Beweis gestellt. Am Mittwoch wurde der Produzent von Spezialglas und Spezialwerkstoffen dafür mit dem „BME-Innovationspreis 2010“ geehrt. Die Auszeichnung würdigt Leistungen und Konzepte im Einkauf von Nicht-Produktionsmaterial.

Der Termin für das 46. BME-Symposium Einkauf und Logistik: 9. bis 11. November 2011.